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4%-Regel erklärt: So berechnest du deinen Entnahmebetrag

4%-Regel einfach erklärt: Berechne deinen FIRE-Entnahmebetrag, deine FIRE-Zahl und wie lange dein ETF-Depot reicht. Mit Steuer-Beispielen für Deutschland.

4%-Regel erklärt: So berechnest du deinen Entnahmebetrag

4%-Regel erklärt: So berechnest du deinen Entnahmebetrag

Du hast jahrelang in deinen ETF-Sparplan eingezahlt. Das Depot wächst. Irgendwann kommt die Frage: Wann kann ich aufhören zu arbeiten — und wie viel darf ich jährlich entnehmen, ohne dass das Geld ausgeht?

Genau das beantwortet die 4%-Regel. Sie ist das Fundament jeder FIRE-Strategie und eine der meistzitierten Faustformeln in der Finanzwelt. In diesem Artikel erfährst du, woher sie stammt, wie sie funktioniert, was sie leisten kann — und wo ihre Grenzen liegen.

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Was ist die 4%-Regel?

Die 4%-Regel besagt: Du kannst jährlich 4% deines Depotwertes entnehmen, ohne dass dein Kapital in typischen Marktszenarien aufgebraucht wird — für mindestens 30 Jahre.

Das klingt einfach. Ist es auch. Genau das macht sie so mächtig.

Konkret: Was bedeutet 4%?

Wenn du ein Depot von 500.000 € hast: - 4% = 20.000 € pro Jahr - = 1.667 € pro Monat

Bei 1.000.000 €: - 4% = 40.000 € pro Jahr - = 3.333 € pro Monat

Das ist kein Luxusleben in München — aber es ist Freiheit. Kombiniert mit Mieteinnahmen, Teilzeit oder einer kleinen Rente kann das für viele Menschen reichen.

Die Grundformel: FIRE-Zahl berechnen

Wenn du weißt, wie viel du im Monat brauchst, kannst du dein Sparziel direkt ableiten:

FIRE-Zahl = Jahresausgaben × 25

Warum 25? Weil 1 ÷ 4% = 25. Die 4%-Regel und der Faktor 25 sind zwei Seiten der gleichen Medaille.

Beispiele: | Monatlicher Bedarf | Jahresbedarf | FIRE-Zahl (×25) | |---|---|---| | 1.500 € | 18.000 € | 450.000 € | | 2.000 € | 24.000 € | 600.000 € | | 2.500 € | 30.000 € | 750.000 € | | 3.000 € | 36.000 € | 900.000 € | | 4.000 € | 48.000 € | 1.200.000 € |

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Woher kommt die 4%-Regel? (Die Trinity-Studie)

Die 4%-Regel stammt nicht aus einer Redaktion — sie ist das Ergebnis einer echten wissenschaftlichen Studie.

1998 untersuchten drei Professoren der Trinity University in Texas historische US-Marktdaten von 1926 bis 1995. Die Frage: Bei welcher Entnahmerate überlebt ein Portfolio aus 50% Aktien und 50% Anleihen mindestens 30 Jahre?

Ergebnis: Bei 4% Entnahmerate überlebte das Portfolio in ~95% aller historischen Szenarien — auch durch die Weltwirtschaftskrise, den Ölschock der 70er und den Schwarzen Montag 1987.

Das ist beeindruckend. Und erklärt, warum die Zahl bis heute verwendet wird.

Was "Entnahmerate" konkret bedeutet

Die Rate bezieht sich auf den Anfangswert — nicht auf den aktuellen Depotwert. Du passt den Betrag an die Inflation an, aber nicht an Marktbewegungen.

Beispiel: - Depot am Tag 1: 600.000 € - Erste Jahresentnahme: 24.000 € (4%) - Im nächsten Jahr (Inflation 2%): 24.480 € - Nach 5 Jahren (kumuliert 2% p.a.): ~26.497 €

Das Depot wächst durch ETF-Renditen weiter und kompensiert Entnahmen plus Inflation — so die Theorie.


Wie du deinen Sparplan auf das FIRE-Ziel ausrichtest

Angenommen, du willst mit 50 Jahren aufhören zu arbeiten und brauchst 2.500 € pro Monat. Deine FIRE-Zahl: 750.000 €.

Du bist 30 Jahre alt, hast noch nichts gespart, und willst in 20 Jahren dort sein. Wie viel musst du monatlich einzahlen?

Rechnung bei 7% p.a.:

FV = PMT × ((1 + r)^n − 1) / r

Aufgelöst nach PMT:

PMT = FV × r / ((1 + r)^n − 1) - FV = 750.000 € - r = 0,07/12 = 0,005833 - n = 240 Monate (20 Jahre)

PMT ≈ 1.440 € pro Monat

Das ist viel — aber mit einem bestehenden Depot oder einer längeren Laufzeit sinkt der Betrag deutlich. Bei 25 Jahren Sparzeit wären es nur noch ~926 € pro Monat für dasselbe Ziel.

Vergleich: Referenzwerte bei 7% p.a. und 30 Jahren: - 200 €/Monat → ~244.000 € Endkapital - 300 €/Monat → ~365.000 € Endkapital - 500 €/Monat → ~608.000 € Endkapital

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Die 4%-Regel und Steuern: Was nach Deutschland bleibt

Hier kommt der Teil, den viele FIRE-Rechner im Netz ignorieren: Steuern.

In Deutschland zahlst du auf ETF-Entnahmen Abgeltungssteuer. Konkret: 26,375% (inkl. Solidaritätszuschlag) — aber nur auf den Gewinnanteil der Entnahme, nicht auf deine eingezahlten Beiträge.

Beispiel: Steuerpflichtiger Anteil einer Entnahme

Du entnimmst 24.000 € aus deinem Depot. Der Kaufkurs lag bei 40% des aktuellen Wertes — also 60% davon sind Gewinn.

  • Gewinnanteil: 60% × 24.000 € = 14.400 €
  • Teilfreistellung (30% bei Aktien-ETF): 14.400 × 0,7 = 10.080 € steuerpflichtig
  • Steuer (26,375%): 2.659 €
  • Netto nach Steuern: 21.341 € statt 24.000 €

Das macht einen Unterschied. Wer mit 4% plant, sollte realistische 3,2–3,5% Nettentnahme einkalkulieren — je nach Gewinnanteil.

Sparerpauschbetrag nutzen!

Der Sparerpauschbetrag von 1.000 € (Singles) bzw. 2.000 € (Ehepaare) gilt auch für Entnahmen und schützt einen Teil der Gewinne vor der Steuer. Gerade in frühen Entnahmejahren mit kleinen Gewinnanteilen ist das ein echter Vorteil.


Vorabpauschale im Entnahmejahr: Was beachten?

Im Jahr 2026 beträgt der Basiszins 3,20%. Das bedeutet: Auf thesaurierende ETFs fällt die Vorabpauschale an — auch wenn du Anteile verkaufst.

Beispiel: 600.000 € Depot, thesaurierender VWCE (ISIN: IE00BK5BQT80)

Vorabpauschale-Berechnung: - Basisertrag: 600.000 × 3,20% × 0,7 = 13.440 € - Steuerpflichtig (Teilfreistellung): 13.440 × 0,7 = 9.408 € - Steuer: 9.408 × 26,375% = 2.482 €

Das ist eine zusätzliche Steuerbelastung — aber sie wird beim späteren Verkauf angerechnet. Keine Doppelbesteuerung, nur Vorauszahlung.


Grenzen der 4%-Regel: Was sie NICHT löst

Die 4%-Regel ist eine Faustformel — keine Garantie. Diese Grenzen musst du kennen:

1. Sie gilt für US-Daten

Die Trinity-Studie basiert auf US-Aktienmarktdaten. Ein diversifizierter FTSE All-World ETF (ca. 3.700 Unternehmen, 49 Länder) verhält sich anders als ein reines US-Portfolio. Das ist kein Problem per se — aber kein 1:1-Vergleich.

2. Sequenzrisiko ist real

Sequence of Returns Risk: Wenn der Markt gleich zu Beginn deiner Entnahmephase stark fällt, schadet das überproportional. Bei einem 40%-Crash im ersten Jahr sinkt dein Depot — und du entnimmst trotzdem (nominal) denselben Betrag. Das lässt das Depot dauerhaft kleiner werden.

Lösung: Cash-Puffer von 12–24 Monaten Ausgaben. In schlechten Börsenjahren lebst du vom Cash, nicht vom Depot.

3. 30 Jahre vs. 40+ Jahre

Die Originalstudie war auf 30 Jahre Entnahmehorizont ausgelegt. Wer mit 40 in Rente geht und 90 wird, braucht 50 Jahre Laufzeit. Für längere Zeiträume empfehlen manche Forscher eher 3,5% als sichere Entnahmerate.

4. Inflation kann überschießen

Die Studie geht von historischer US-Inflation (ca. 3% p.a.) aus. Phasen wie 2022 mit 7–8% Inflation in Deutschland waren seltene Ausnahmen — aber sie kommen.


4%-Regel in der Praxis: Was FIRE-Anhänger wirklich tun

Die meisten Menschen, die tatsächlich FIRE umsetzen, verwenden flexible Strategien — nicht starre Regeln.

Strategie 1: Guardrails-Ansatz

Entnehme 4%, aber: Wenn das Depot um 20% fällt → reduziere auf 3,5%. Wenn es um 25% wächst → erhöhe auf 4,5%. Du passt dich an, ohne blind zu entziehen.

Strategie 2: Bucketing

  • Bucket 1: 1–2 Jahre Ausgaben in Cash/Tagesgeld
  • Bucket 2: 3–7 Jahre in Anleihen-ETF oder gemischtem Depot
  • Bucket 3: Rest in Aktien-ETFs (der Langläufer)

Im Normalfall entnimmst du aus Bucket 1, das du regelmäßig aus Bucket 2 auffüllst — die Aktien bleiben unangetastet.

Strategie 3: Barista FIRE

Du erreichst nicht 100% deiner FIRE-Zahl, aber genug für einen kleinen Nebenjob (10–15 Stunden/Woche). Das senkt die benötigte Entnahmerate auf 2–3% — fast ohne Risiko.


Wann ist FIRE mit ETF-Sparplan realistisch?

Szenario: 30-Jähriger, 200 €/Monat Sparrate, 7% p.a.

Nach 30 Jahren Sparzeit: ~244.000 € Endkapital

4% Entnahme = 9.760 € pro Jahr = 813 € pro Monat

Das reicht nicht für vollständige finanzielle Unabhängigkeit — aber als Ergänzung zur gesetzlichen Rente ist es ein massiver Puffer.

Szenario: 30-Jähriger, 500 €/Monat, 30 Jahre

Endkapital: ~608.000 €

4% Entnahme = 24.320 € pro Jahr = 2.027 € pro Monat

Das ist bereits ein ernsthaftes Einkommen ohne Arbeit. Kombiniert mit einer gesetzlichen Rente von 1.000–1.500 € wäre das für viele Menschen echte Freiheit.

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Häufige Fragen zur 4%-Regel

Gilt die 4%-Regel auch für Deutsche?

Ja — mit Einschränkungen. Die Grundlogik stimmt, aber du musst Steuern (Abgeltungssteuer 26,375%) und Vorabpauschale berücksichtigen. Die Netto-Entnahmerate liegt realistisch bei 3,0–3,5% nach Steuern, je nach Gewinnanteil.

Welcher ETF eignet sich für die Entnahmephase?

Ausschüttende ETFs haben einen praktischen Vorteil: Du erhältst regelmäßige Dividenden ohne Verkäufe. Der Vanguard FTSE All-World Distributing (VWRL, ISIN: IE00B3RBWM25, TER: 0,22%) ist eine beliebte Wahl — ebenso wie der thesaurierende VWCE (ISIN: IE00BK5BQT80) für Sparphasen.

Muss ich alles in Aktien-ETFs haben?

Nein. Viele empfehlen in der Entnahmephase eine gemischte Allokation: z.B. 70% Aktien-ETF, 20% Anleihen-ETF, 10% Cash. Das senkt die Volatilität und reduziert das Sequenzrisiko.

Was ist, wenn der Markt crasht?

Dann entnehme weniger oder gar nichts — und lebe vom Cash-Puffer. Die 4%-Regel setzt keine starre Entnahme voraus. Flexibilität ist kein Versagen, sondern kluge Planung.

Ist die 4%-Regel für Früh-Rentner (mit 40–45) noch sicher?

Bei 40+ Jahren Entnahmehorizont empfehlen Forscher eher 3,3–3,5% als sichere Rate. Alternativ: Barista FIRE oder einen kleinen Puffer durch Nebeneinnahmen einplanen.


Fazit: Die 4%-Regel ist ein Startpunkt, kein Endpunkt

Die 4%-Regel ist keine magische Garantie. Aber sie ist das beste Werkzeug, das wir haben, um eine Zahl für finanzielle Unabhängigkeit greifbar zu machen.

Was du mitnehmen solltest: - Deine FIRE-Zahl = Jahresausgaben × 25 - Bei 4% Entnahme hält dein Depot in ~95% der historischen Szenarien 30 Jahre - In Deutschland lieber 3,0–3,5% netto planen (Steuereffekt!) - Flexibilität schlägt Starrheit: Passe Entnahmen an Marktlage an - Sequenzrisiko mit Cash-Puffer absichern

Der erste Schritt ist nicht, eine Million zu haben. Der erste Schritt ist, zu wissen, wie viel du brauchst — und dann rückwärts zu rechnen, welche Sparrate dich dorthin bringt.

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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.

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