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7 ETF-Mythen die du nicht mehr glauben solltest

ETF-Mythen im Check: Warum der Einstiegszeitpunkt egal ist, ETFs nicht riskant sind und kleine Sparbeträge enorm viel bringen können.

7 ETF-Mythen die du nicht mehr glauben solltest

7 ETF-Mythen die du nicht mehr glauben solltest

Du hast bestimmt schon einmal gehört: „ETFs sind riskant", „Man muss den richtigen Zeitpunkt abwarten" oder „Ein Sparplan bringt doch nichts, wenn die Märkte fallen." Diese Aussagen klingen irgendwie plausibel — und sind trotzdem meist falsch. Genug davon kursieren in Foren, Familienrunden und sogar bei gut gemeinten Bankgesprächen.

In diesem Artikel räumen wir mit den 7 hartnäckigsten ETF-Mythen auf. Nicht mit Meinung, sondern mit Zahlen.


Mythos 1: „Der Zeitpunkt ist entscheidend — jetzt ist ein schlechter Moment zum Investieren"

Das ist wohl der meistgenutzte Grund, warum Menschen gar nicht erst anfangen. Die Märkte sind gerade hoch. Oder gerade gefallen. Immer ist irgendwas.

Die Wahrheit: Kein Mensch kann den Markt zuverlässig timen — auch keine Profis. Wer auf den „perfekten Zeitpunkt" wartet, wartet meistens ewig.

Rechenbeispiel: Stell dir vor, du investierst 300 € monatlich in einen MSCI World ETF — aber immer zum schlechtesten möglichen Zeitpunkt im Jahr (dem Jahreshoch). Nach 30 Jahren bei 7 % p.a. Rendite hättest du trotzdem rund 365.000 € angespart. Der Unterschied zum perfekten Timing? Oft weniger als 10–15 %.

Der entscheidende Faktor ist nicht, wann du einsteigst — sondern dass du einsteigst und dabei bleibst.

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Mythos 2: „ETFs sind riskant, weil du damit spekulierst"

Diesen Mythos hört man oft von Bankberaterinnen, die lieber aktiv gemanagte Fonds verkaufen. Der Vorwurf klingt seriös, ist aber schief.

Die Wahrheit: Ein breit diversifizierter Welt-ETF (MSCI World oder FTSE All-World) enthält 1.400 bis 3.700 Unternehmen aus dutzenden Ländern. Du spekulierst damit nicht auf ein einzelnes Unternehmen, eine Branche oder einen Trend — du kaufst ein Stück der Weltwirtschaft.

Natürlich können Kurse fallen — das ist Investieren. Aber breite ETFs haben über 20-Jahres-Zeiträume noch nie einen Verlust erzielt. Das ist kein Zufall, sondern der Beweis für die Kraft der Diversifikation.

Was wirklich spekulativ wäre: Alles in eine einzige Aktie stecken, gehebelte Zertifikate, Krypto ohne Strategie. Das hat mit einem ETF-Sparplan nichts zu tun.


Mythos 3: „ETF-Sparpläne brauchen viel Startkapital"

Viele glauben, man müsse Tausende Euro angespart haben, um überhaupt sinnvoll zu investieren.

Die Wahrheit: Viele Neobroker erlauben ETF-Sparpläne ab 1 € pro Monat. Trade Republic, Scalable Capital, Flatex — alle bieten Sparpläne ohne Mindestbetrag (oder mit sehr niedrigem Minimum).

Und selbst kleine Beträge wirken: Wer mit 50 € monatlich startet und 30 Jahre dabei bleibt, kommt bei 7 % p.a. auf rund 61.000 € — aus nur 18.000 € eingezahltem Kapital. Der Rest ist Zinseszins.

Rechenbeispiel: - 50 €/Monat × 30 Jahre = 18.000 € eingezahlt - Endkapital bei 7 % p.a.: ~61.000 € - Davon Zinsen/Gewinne: ~43.000 €

Besser als nichts? Deutlich besser als nichts.

👉 Jetzt berechnen → — probiere verschiedene Sparraten aus und schau, wie stark der Zinseszins arbeitet.


Mythos 4: „Ich kann mit aktiv gemanagten Fonds mehr Rendite erzielen"

Der Klassiker im Bankgespräch. Klingt logisch: Ein Team aus Experten analysiert Märkte — das muss doch besser abschneiden als ein stumpfer Index.

Die Wahrheit: Studien zeigen konsequent, dass über 80–90 % der aktiv gemanagten Fonds ihren Vergleichsindex über 15–20 Jahre nicht schlagen. Und jene, die es im einen Jahrzehnt schaffen, schaffen es im nächsten meist nicht.

Das SPIVA-Scoreboard (S&P Global) zeigt für Europa: Über 10 Jahre underperformen ~90 % der aktiven Large-Cap-Fonds ihren Benchmark. Und wenn du noch die Kosten berücksichtigst — aktive Fonds kosten oft 1,5–2 % TER pro Jahr, ein MSCI World ETF 0,07–0,20 % — dann wird der Unterschied über 30 Jahre dramatisch:

  • 100.000 € Einmalanlage, 7 % Bruttorendite
  • ETF (0,20 % TER, Nettorendite 6,80 %): nach 30 Jahren ~719.000 €
  • Aktiver Fonds (1,80 % TER, Nettorendite 5,20 %): nach 30 Jahren ~455.000 €

Unterschied: über 260.000 € — nur wegen der Kosten.


Mythos 5: „Bei einem Börsencrash verliere ich alles"

Wer Schlagzeilen wie „Börse bricht ein", „Milliarden vernichtet" liest, bekommt Angst. Verständlich. Aber der Schluss, dass ETF-Anleger dabei alles verlieren, ist falsch.

Die Wahrheit: Einen ETF-Sparplan zu ruinieren bräuchte es das vollständige Versagen der globalen Wirtschaft — aller 1.400+ Unternehmen im MSCI World gleichzeitig. Das ist noch nie passiert und wäre ein so extremes Szenario, dass auch Bankeinlagen und Immobilien betroffen wären.

Was wirklich passiert bei Crashs: Kurse fallen temporär. Manchmal drastisch (2008: -50 %, 2020: -34 % innerhalb von Wochen). Und dann? Die Märkte haben sich jedes Mal erholt — oft schneller als erwartet.

Für Sparplan-Anleger ist ein Crash sogar teilweise positiv: Du kaufst Anteile zu günstigeren Kursen. Wer im Corona-Crash März 2020 weiter gespart hat, konnte sich über günstige Einstiegskurse freuen — und profitierte von der anschließenden Erholung.

Verluste realisierst du nur, wenn du im Tief verkaufst. Die einfachste Strategie: Nicht hinschauen und weitersparen.


Mythos 6: „Steuern auf ETFs sind so kompliziert, das lohnt sich nicht"

Die Vorabpauschale, Teilfreistellung, Abgeltungssteuer — klingt alles einschüchternd. Manche schrecken deshalb gar vor ETFs zurück.

Die Wahrheit: Für Sparplan-Anleger ist die Steuer-Realität deutlich einfacher als befürchtet:

Freistellungsauftrag nutzen: Singles haben 1.000 €, Ehepaare 2.000 € Sparerpauschbetrag pro Jahr. Bis diese Grenze aufgebraucht ist, zahlst du keine Steuer — auch nicht auf Vorabpauschale.

Vorabpauschale 2026 bei einem 10.000 € Depot (thesaurierender ETF): - Basisertrag: 10.000 × 3,20 % × 0,7 = 224 € - Steuerpflichtig (nach Teilfreistellung): 224 × 0,7 = 156,80 € - Steuer: 156,80 × 26,375 % = 41,35 € pro Jahr

Das ist überschaubar. Und solange du unter dem Sparerpauschbetrag bleibst, wird davon gar nichts fällig.

Außerdem: Bei thesaurierenden ETFs macht der Broker alles automatisch. Du musst in der Steuererklärung nur die Anlage KAP ausfüllen — und die meisten Broker liefern dafür eine fertige Steuerbescheinigung.


Mythos 7: „Ich warte erst, bis ich mehr über ETFs verstehe"

Dieser Mythos ist der teuerste. Er klingt vernünftig — „Ich will informiert entscheiden" — hält aber viele jahrelang vom Investieren ab.

Die Wahrheit: Du brauchst kein Finance-Studium für einen ETF-Sparplan. Die Grundlagen lassen sich in einem Nachmittag verstehen:

  1. Du kaufst regelmäßig Anteile an einem breit gestreuten Welt-ETF
  2. Du lässt den Zinseszins arbeiten
  3. Du lässt dich von Kursschwankungen nicht aus der Ruhe bringen
  4. Du nutzt deinen Freistellungsauftrag

Das war's im Kern.

Was du durch Warten verlierst: Zeit ist der wertvollste Faktor beim Investieren. Wer mit 25 statt mit 35 anfängt, startet mit 10 Jahren mehr Zinseszins. Rechenbeispiel bei 200 €/Monat und 7 % p.a.:

  • Start mit 25: bis 65 = 40 Jahre → ~524.000 €
  • Start mit 35: bis 65 = 30 Jahre → ~244.000 €

Unterschied: rund 280.000 € — obwohl nur 10 Jahre früher gestartet.

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FAQ

Sind ETFs wirklich sicherer als einzelne Aktien?

Ja, in dem Sinne, dass du das Einzelunternehmen-Risiko eliminierst. Marktrisiko bleibt, aber das betrifft alle Anlagen. Durch die breite Streuung über Hunderte oder Tausende Unternehmen reduzierst du das Risiko eines Totalverlusts erheblich.

Kann ich einen ETF-Sparplan jederzeit stoppen oder pausieren?

Ja. ETF-Sparpläne sind nicht wie Versicherungsverträge gebunden. Du kannst jederzeit pausieren, die Rate ändern oder kündigen. Deine bereits gekauften Anteile bleiben in deinem Depot.

Muss ich Steuern zahlen, wenn ich meinen ETF nicht verkaufe?

Bei thesaurierenden ETFs fällt jährlich die Vorabpauschale an — eine vorgelagerte Steuer auf den theoretischen Wertzuwachs. Aber: Unter dem Sparerpauschbetrag (1.000 € Singles) wird nichts fällig. Erst beim Verkauf zahlst du Abgeltungssteuer auf den tatsächlichen Gewinn.

Wie fange ich am besten an?

  1. Broker wählen (Trade Republic, Scalable Capital, Flatex, DKB, Comdirect)
  2. Depot eröffnen (online, dauert 5–15 Minuten)
  3. Freistellungsauftrag einrichten
  4. ETF wählen (z. B. MSCI World oder FTSE All-World)
  5. Sparplan einrichten (ab 25–50 €/Monat)
  6. Nicht täglich hinschauen

Sind ETF-Sparpläne auch für Ältere noch sinnvoll?

Ja — auch mit 50 oder 55 kann ein ETF-Sparplan sinnvoll sein, besonders wenn du noch 15–20 Jahre bis zur Rente hast. Der Zeithorizont ist kürzer, also solltest du das Risiko etwas anpassen (z. B. mit einem Anleihen-Anteil). Aber grundsätzlich gilt: Anfangen ist besser als nicht anfangen.


Fazit: Lass dich nicht aufhalten

ETF-Mythen sind hartnäckig, weil sie oft von Menschen kommen, die selbst nicht investieren — oder von denen, die an teuren Alternativen verdienen. Die Realität ist nüchterner und besser: Breite ETFs sind günstig, verständlich und für die meisten Anleger die sinnvollste Lösung für langfristigen Vermögensaufbau.

Du musst kein Experte sein. Du musst nur anfangen — und dabei bleiben.


Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.

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