ETF-Rente mit 55, 60 oder 67: wie viel Depot brauchst du wirklich?
ETF-Rente mit 55, 60 oder 67: So berechnest du Depotbedarf, Entnahmerate und Sparrate mit 3%-Regel, 4%-Regel, Steuerpuffer und konkreten Rechner-Beispielen.

Wenn du von einer ETF-Rente träumst, ist die wichtigste Frage nicht: „Welche Rendite bekomme ich?“ Die wichtigste Frage lautet: Wie viel Depot brauchst du, damit dein gewünschtes monatliches Einkommen realistisch und robust ist? Genau hier unterscheiden sich die Ziele 55, 60 und 67 massiv. Fünf zusätzliche Jahre können den benötigten Sparbetrag fast halbieren, während fünf Jahre weniger oft eine ganz andere Sparquote verlangen.
In diesem Artikel rechnen wir bewusst nüchtern. Du bekommst keine Garantieformel und keine Mutmacher-Zahl, die nur bei perfekten Märkten funktioniert. Stattdessen schauen wir auf drei Stellschrauben: dein gewünschtes Monatsbudget, eine vorsichtige Entnahmerate und die Sparrate, die dich bis zum Ziel bringen kann. Als Renditeannahme verwenden wir für die Aufbauphase 7 % p.a. historisch plausible, aber nicht garantierte Rendite und rechnen monatlich nachschüssig mit effektivem Monatszins. Für Entnahmen vergleichen wir die 3 %-Regel und die 4 %-Regel, weil genau diese Spanne in der Praxis den Unterschied zwischen „komfortabel geplant“ und „sehr optimistisch“ ausmacht.
👉 Schnelltest: Öffne den ETF-Sparplan-Rechner, trage deine aktuelle Sparrate ein und vergleiche 15, 20 und 27 Jahre Laufzeit. Du wirst sofort sehen, warum der Zielzeitpunkt so viel wichtiger ist als die zweite Nachkommastelle bei der Rendite.
Die Grundformel: monatliches Wunsch-Einkommen × 12 ÷ Entnahmerate
Der erste Schritt ist überraschend simpel. Du nimmst das monatliche Einkommen, das dein Depot liefern soll, rechnest es auf ein Jahr hoch und teilst es durch die Entnahmerate.
| Gewünschtes Depot-Einkommen | Jahresbetrag | Depotbedarf bei 4 % | Depotbedarf bei 3 % |
|---|---|---|---|
| 1.000 € pro Monat | 12.000 € | 300.000 € | 400.000 € |
| 1.500 € pro Monat | 18.000 € | 450.000 € | 600.000 € |
| 2.000 € pro Monat | 24.000 € | 600.000 € | 800.000 € |
| 2.500 € pro Monat | 30.000 € | 750.000 € | 1.000.000 € |
| 3.000 € pro Monat | 36.000 € | 900.000 € | 1.200.000 € |
Die 4 %-Regel bedeutet: Du entnimmst im ersten Jahr 4 % des Depotwerts und erhöhst die Entnahme später theoretisch um Inflation. Historisch war das in vielen US-Datensätzen über 30 Jahre robust, aber nicht magisch. Für sehr frühe ETF-Renten mit 55 ist 4 % deutlich sportlicher, weil dein Depot vielleicht 40 Jahre oder länger halten muss. Die 3 %-Regel ist defensiver, braucht aber mehr Kapital.
Wichtig: Diese Tabelle ist vor Steuern, Kosten und persönlicher Situation gedacht. In Deutschland können auf realisierte Gewinne Kapitalertragsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer anfallen. Die Kapitalertragsteuer beträgt 25 % plus 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer, zusammen 26,375 %. Bei Aktien-ETFs sind 30 % der Erträge steuerfrei; auf den steuerpflichtigen Anteil ergibt sich rechnerisch ein effektiver Satz von 18,4625 %. Außerdem gibt es den Freistellungsauftrag von 1.000 € pro Jahr. Das heißt nicht, dass jede Entnahme voll besteuert wird, denn ein Teil jeder Verkaufstranche ist Einstandskapital. Trotzdem solltest du einen Steuerpuffer einplanen.
Warum 55, 60 und 67 drei völlig verschiedene Projekte sind
Ein Depot für die ETF-Rente mit 67 ist vor allem ein Altersvorsorge-Projekt. Du hast typischerweise mehr Aufbauzeit, eventuell gesetzliche Rente, Betriebsrente oder andere Bausteine und musst weniger Jahre komplett aus dem Depot überbrücken.
Eine ETF-Rente mit 60 ist schon deutlich anspruchsvoller. Sie kann als Vorruhestand funktionieren, wenn dein Depot die Lücke bis zur gesetzlichen Rente schließt oder dauerhaft einen Zusatzbetrag liefert. Hier zählt besonders, ob du wirklich dein komplettes Leben aus dem ETF-Depot finanzieren willst oder nur die Jahre zwischen Jobausstieg und Rentenbeginn.
Mit 55 wird es ernst. Dann planst du nicht nur Altersvorsorge, sondern finanzielle Unabhängigkeit. Das Depot muss einen langen Zeitraum tragen, Markteinbrüche früh in der Entnahmephase verkraften und trotzdem genug Puffer für Gesundheit, Wohnen, Familie und Steuern behalten. Deshalb ist für 55 meistens eine defensivere Entnahmerate, ein größerer Cash-Puffer und eine flexible Ausgabenseite sinnvoll.
Beispiel 1: Du willst 1.500 € pro Monat aus ETFs
Nehmen wir an, dein Depot soll später 1.500 € pro Monat liefern. Das sind 18.000 € pro Jahr. Bei 4 % Entnahme brauchst du grob 450.000 €. Bei 3 % Entnahme brauchst du 600.000 €.
Der Unterschied klingt auf den ersten Blick groß, aber er ist die Versicherungsprämie für mehr Robustheit. Wer mit 67 startet und zusätzliche Rentenansprüche hat, kann näher an 4 % planen, wenn die Ausgaben flexibel bleiben. Wer mit 55 starten will und noch keine gesetzliche Rente bekommt, sollte 3 % oder eine dynamische Strategie ernsthaft prüfen.
Jetzt wird der Zeithorizont spannend. Bei 7 % p.a. historisch angenommener Rendite, monatlichem Compounding und nachschüssiger Einzahlung brauchst du ungefähr folgende monatliche Sparraten, um 600.000 € Zielkapital zu erreichen:
| Aufbauzeit | Zielkapital 600.000 € | Benötigte Sparrate ca. |
|---|---|---|
| 15 Jahre | 600.000 € | 1.929 € / Monat |
| 20 Jahre | 600.000 € | 1.182 € / Monat |
| 27 Jahre | 600.000 € | 651 € / Monat |
| 30 Jahre | 600.000 € | 513 € / Monat |
Das ist die eigentliche Lektion. Die Frage „Rente mit 55 oder 67?“ ist nicht nur eine Lifestyle-Frage. Sie verändert die monatliche Sparrate dramatisch. Wer mit 40 anfängt und mit 55 aufhören will, braucht für dieses Beispiel fast 2.000 € monatlich. Wer mit 37 anfängt und bis 67 investiert, braucht für ein ähnliches Ziel nur grob ein Viertel davon.
👉 Rechne dieses Szenario direkt im Sparplan-Rechner nach: Zielkapital 600.000 €, Rendite 7 %, Laufzeit 15, 20, 27 und 30 Jahre. Ändere dann die Rendite auf 5 % und du bekommst ein Gefühl dafür, wie viel Puffer du wirklich hast.
Beispiel 2: 500 € monatlich sparen – was ist realistisch?
Viele Anleger starten nicht mit 1.500 € Sparrate, sondern mit 300 €, 500 € oder 800 €. Das ist völlig in Ordnung. Entscheidend ist, dass du daraus kein unrealistisches Rentenversprechen machst.
Bei 500 € monatlicher Sparrate, 7 % p.a. historischer Renditeannahme und monatlichem Compounding entstehen ungefähr folgende Endwerte:
| Sparrate | Laufzeit | Eingezahlt | Endkapital ca. |
|---|---|---|---|
| 500 € / Monat | 15 Jahre | 90.000 € | 156.000 € |
| 500 € / Monat | 20 Jahre | 120.000 € | 254.000 € |
| 500 € / Monat | 27 Jahre | 162.000 € | 461.000 € |
| 500 € / Monat | 30 Jahre | 180.000 € | 585.000 € |
Mit 500 € pro Monat wird eine komplette ETF-Rente mit 55 schwierig, wenn du bei null startest. Nach 15 Jahren wären 156.000 € ein starkes Zwischenziel, aber daraus lassen sich bei 3 % nur rund 390 € pro Monat vor Steuern entnehmen. Nach 30 Jahren sieht die Welt anders aus: 585.000 € liegen sehr nah an der 600.000-€-Marke für 1.500 € monatlich bei 3 %.
Das bedeutet nicht, dass 500 € pro Monat zu wenig sind. Es bedeutet nur: Der Zeithorizont muss passen. Für 67 ist es ein mächtiger Altersvorsorge-Baustein. Für 60 kann es zusammen mit bestehendem Depot und späterer gesetzlicher Rente funktionieren. Für 55 brauchst du entweder mehr Startkapital, höhere Dynamisierung, Zusatzeinkommen oder ein niedrigeres Ausgabenziel.
Beispiel 3: 800 € monatlich und das Ziel „früher raus“
Bei 800 € monatlich wird der Hebel sichtbar. Nach 20 Jahren entstehen bei 7 % p.a. rund 406.000 €. Nach 27 Jahren sind es ungefähr 738.000 €. Nach 30 Jahren etwa 936.000 €.
| Sparrate | 20 Jahre | 27 Jahre | 30 Jahre |
|---|---|---|---|
| 300 € / Monat | 152.000 € | 277.000 € | 351.000 € |
| 500 € / Monat | 254.000 € | 461.000 € | 585.000 € |
| 800 € / Monat | 406.000 € | 738.000 € | 936.000 € |
| 1.000 € / Monat | 508.000 € | 922.000 € | 1.169.000 € |
Wer mit 33 oder 35 beginnt und bis 60 investiert, kann mit 800 € monatlich in eine Größenordnung kommen, die für einen teilweisen Vorruhestand realistisch ist. Bei 738.000 € Depot wären 3 % rund 1.845 € pro Monat vor Steuern; bei 4 % wären es rund 2.460 € pro Monat. Das ist ein erheblicher Unterschied – und genau deshalb solltest du nicht nur mit einer Entnahmerate rechnen.
Für die Praxis ist ein Korridor besser: Plane dein Muss-Budget eher mit 3 %. Plane flexible Extras mit 4 %. So zwingst du dein Depot nicht dazu, in schlechten Börsenjahren denselben Lebensstandard zu finanzieren wie in guten Jahren.
Welche Entnahmerate passt zu welchem Rentenalter?
Für eine grobe Planung kannst du so denken:
ETF-Rente mit 55: eher 3 % plus Flexibilität
Mit 55 ist dein Zeithorizont lang. Ein starker Crash in den ersten Jahren kann deine Planung stark belasten, weil du dann aus einem gefallenen Depot verkaufst. Das nennt man Sequenzrisiko. Deshalb solltest du mit 3 % rechnen, mindestens zwei bis drei Jahre Ausgaben als Tagesgeld- oder Geldmarkt-Puffer halten und variable Ausgaben bewusst einplanen. Ein Nebenjob, Beratung, Teilzeit oder Mieteinnahmen können die Entnahmequote in schlechten Jahren deutlich entspannen.
ETF-Rente mit 60: Korridor aus 3 % bis 4 %
Mit 60 ist oft ein Mischmodell realistisch. Vielleicht überbrückst du nur sieben Jahre bis 67, vielleicht reduzierst du Arbeit statt komplett aufzuhören. Dann kann eine dynamische Entnahme sinnvoll sein: In guten Jahren 3,5 % bis 4 %, in schwachen Marktphasen weniger. Wichtig ist, dass du den Unterschied zwischen Brückenphase und dauerhafter Rente sauber trennst.
ETF-Rente mit 67: 4 % kann als Orientierung dienen, aber nicht blind
Mit 67 ist der klassische 30-Jahres-Horizont näher. Wenn zusätzlich gesetzliche Rente oder andere sichere Einkommensquellen vorhanden sind, muss das ETF-Depot vielleicht nur ergänzen. Trotzdem ist 4 % keine Garantie. Gerade bei hohen Bewertungen, niedrigen erwarteten Renditen oder sehr wenig Flexibilität solltest du konservativer planen.
Steuern: warum dein Brutto-Depot nicht dein Netto-Einkommen ist
ETF-Entnahmen werden in Deutschland nicht wie ein Gehalt besteuert. Du verkaufst Anteile. Nur der Gewinnanteil im Verkauf ist steuerpflichtig. Bei Aktien-ETFs greift zusätzlich die 30-%-Teilfreistellung. Der allgemeine Steuersatz auf Kapitalerträge beträgt 25 % Kapitalertragsteuer plus 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer, also 26,375 %. Durch die Teilfreistellung liegt die Belastung auf Aktien-ETF-Erträge rechnerisch bei 18,4625 %. Kirchensteuer kann hinzukommen; je nach Bundesland 8 % oder 9 % auf die Kapitalertragsteuer.
Außerdem ist der Freistellungsauftrag von 1.000 € pro Jahr seit 2023 wichtig. Er reduziert steuerpflichtige Kapitalerträge. Für Ehepaare kann der gemeinsame Sparer-Pauschbetrag höher ausfallen, aber hier rechnen wir bewusst mit dem einzelnen Betrag, weil die individuelle Situation unterschiedlich ist.
Für deine ETF-Rente heißt das: Rechne nicht mit einer pauschalen Steuer auf die gesamte Entnahme. Aber rechne auch nicht mit „steuerfrei“. Ein sinnvoller Plan enthält einen Puffer. Wenn du 2.000 € monatlich netto brauchst, solltest du nicht nur 2.000 € brutto aus dem Depot einplanen. Wie groß der Puffer sein muss, hängt von Einstandskursen, Depotalter, Ausschüttungen, Kirchensteuer, Freistellungsauftrag und Verkaufsstrategie ab.
Vorabpauschale und Ausschüttungen nicht vergessen
Auch während der Aufbau- und Entnahmephase können Steuern anfallen, ohne dass du aktiv Gewinne realisierst. Für thesaurierende Fonds ist die Vorabpauschale relevant. Die Formel lautet: Basisertrag = Fondswert zu Jahresanfang × 0,70 × Basiszins. Für 2026 beträgt der Basiszins 3,20 %. Die Vorabpauschale ist begrenzt auf den tatsächlichen Wertzuwachs; steuerpflichtig ist nur der Betrag oberhalb des anteiligen Freistellungsauftrags.
Das klingt technisch, ist aber für die Planung wichtig. Wenn dein Depot groß wird, können Steuerabzüge aus der Vorabpauschale deine Liquidität beeinflussen. Bei ausschüttenden ETFs kommen Ausschüttungen hinzu, die zwar angenehm als Cashflow wirken, aber ebenfalls steuerlich berücksichtigt werden. Deshalb solltest du in der Entnahmephase nicht nur die Brutto-Entnahme planen, sondern auch die laufenden Steuerereignisse.
Depotbedarf ist nicht gleich Sicherheitsgefühl
Zwei Menschen mit gleichem Depot können völlig unterschiedliche Risiken haben. Person A besitzt eine abbezahlte Wohnung, geringe Fixkosten und eine sichere gesetzliche Rente ab 67. Person B zahlt Miete in einer teuren Stadt, unterstützt Familie und hat unklare Krankenversicherungsbeiträge. Für beide kann 600.000 € auf dem Papier gleich aussehen, aber praktisch völlig anders wirken.
Deshalb solltest du deinen Depotbedarf in drei Schichten aufteilen:
- Muss-Budget: Wohnen, Essen, Versicherung, Gesundheit, Mobilität. Dieses Budget sollte mit einer defensiven Entnahmerate tragfähig sein.
- Komfort-Budget: Reisen, Hobbys, größere Anschaffungen. Hier darfst du flexibler sein.
- Puffer-Budget: Steuern, unerwartete Reparaturen, Pflege, Familienereignisse, schwache Börsenjahre.
Wenn du dein gesamtes Leben auf eine einzige Entnahmerate presst, übersiehst du diese Unterschiede. Besser ist ein Plan, der in schlechten Jahren automatisch weniger entnimmt und in guten Jahren wieder mehr zulässt.
So nutzt du den Rechner für deine eigene ETF-Rente
Der ETF-Sparplan-Rechner hilft dir vor allem in der Aufbauphase. Trage deine aktuelle Sparrate, deinen Anlagehorizont und eine realistische Renditeannahme ein. Für einen konservativen Plan kannst du mehrere Szenarien rechnen: 5 %, 7 % und 8 % p.a. Historische Renditen des MSCI World lagen je nach Zeitraum im Bereich mehrerer Prozentpunkte pro Jahr, aber vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
Ein guter Ablauf:
- Zielkapital bestimmen: Monatsbudget × 12 ÷ 3 % und ÷ 4 %.
- Zeithorizont festlegen: Wie viele Jahre bleiben bis 55, 60 oder 67?
- Sparrate testen: Welche monatliche Rate führt in realistischen Szenarien zum Ziel?
- Dynamisierung prüfen: Was passiert, wenn du deine Sparrate jährlich um 2 % oder 3 % erhöhst?
- Puffer einbauen: Rechne nicht nur Zielkapital, sondern auch Cash-Puffer und Steuerpuffer.
👉 Wenn dein Ziel zu weit weg wirkt, ändere nicht sofort die Rendite nach oben. Teste zuerst längere Laufzeit, höhere Sparrate, eine spätere Teilzeit-Rente oder ein niedrigeres Muss-Budget. Das sind Stellschrauben, die du eher kontrollieren kannst als die Börse.
Was, wenn du schon ein Depot hast?
Wenn du bereits 100.000 €, 200.000 € oder mehr investiert hast, sieht die Rechnung besser aus. Dann muss nicht die gesamte Zielsumme aus künftigen Sparraten entstehen. Dein bestehendes Depot arbeitet mit.
Beispiel: Du hast 200.000 € investiert, willst in 20 Jahren 600.000 € erreichen und rechnest mit 7 % p.a. historischer Renditeannahme. Dann wächst das vorhandene Kapital allein schon deutlich. Die erforderliche zusätzliche Sparrate ist viel niedriger als bei Start von null. Trotzdem solltest du vorsichtig bleiben: Je höher dein aktuelles Depot im Verhältnis zum Ziel, desto stärker beeinflussen Marktschwankungen dein Ergebnis.
Für Menschen kurz vor der ETF-Rente ist deshalb Rebalancing wichtiger als maximale Rendite. Eine einfache Aktienquote von 100 % kann in der Aufbauphase sinnvoll erscheinen, aber kurz vor dem geplanten Ausstieg erhöht sie das Sequenzrisiko. Ein Cash- oder Geldmarkt-Puffer für die ersten Entnahmejahre kann verhindern, dass du in einem Crash große ETF-Anteile verkaufen musst.
Häufige Fehler bei der ETF-Rente
Fehler 1: Nur mit Durchschnittsrendite rechnen
Eine durchschnittliche Rendite von 7 % p.a. bedeutet nicht, dass jedes Jahr 7 % kommt. Es kann Jahre mit +25 % und Jahre mit -25 % geben. Für die Entnahmephase zählt die Reihenfolge der Renditen. Ein früher Crash ist viel gefährlicher als ein später Crash.
Fehler 2: 4 % als Naturgesetz behandeln
Die 4 %-Regel ist eine historische Faustregel, keine Garantie. Für eine ETF-Rente mit 55 ist sie häufig zu optimistisch, wenn keine Flexibilität vorhanden ist. Eine 3-%-Planung fühlt sich konservativer an, aber sie kann viel Stress reduzieren.
Fehler 3: Steuern erst am Ende beachten
Steuern entscheiden nicht allein über Erfolg oder Misserfolg, aber sie verändern den Netto-Cashflow. Plane Kapitalertragsteuer, Teilfreistellung, Freistellungsauftrag, Vorabpauschale und mögliche Kirchensteuer bewusst ein.
Fehler 4: Keine Ausgabenflexibilität einbauen
Eine ETF-Rente wird robuster, wenn du Ausgaben anpassen kannst. In sehr guten Jahren kannst du mehr reisen. In schlechten Jahren senkst du variable Ausgaben, nutzt Cash-Puffer oder reduzierst die Entnahme.
Fehler 5: Das Zielalter isoliert betrachten
55, 60 oder 67 sind nicht nur Zahlen. Sie stehen für unterschiedliche Lebensphasen, Rentenansprüche, Krankenversicherung, Wohnkosten und Arbeitsoptionen. Plane nicht nur das Depot, sondern den Übergang.
FAQ: ETF-Rente mit 55, 60 oder 67
Wie viel Depot brauche ich für 2.000 € monatlich?
Bei 4 % Entnahme brauchst du grob 600.000 €. Bei 3 % Entnahme sind es 800.000 €. Das ist vor individueller Steuer- und Kostensituation gerechnet. Für eine frühe ETF-Rente mit 55 ist der 3-%-Wert die defensivere Orientierung.
Kann ich mit 500 € Sparrate im Monat früher in Rente gehen?
Ja, aber nicht automatisch vollständig. Bei 500 € monatlich und 7 % p.a. historischer Renditeannahme entstehen nach 20 Jahren rund 254.000 €, nach 30 Jahren rund 585.000 €. Das kann ein starker Zusatzbaustein sein. Für eine komplette Rente mit 55 brauchst du meist Startkapital, höhere Sparrate oder niedrigere Ausgaben.
Ist 7 % Rendite realistisch?
7 % p.a. ist eine plausible Langfristannahme für breite Aktien-ETFs, aber keine Garantie. Langfristige MSCI-World-Sparplan-Auswertungen lagen historisch je nach Zeitraum im Bereich von rund 7–8 % p.a.; trotzdem können zukünftige Renditen niedriger ausfallen. Deshalb solltest du immer auch 5-%-Szenarien rechnen.
Sollte ich mit 55 anders investieren als mit 67?
Ja. Je früher du entnehmen willst, desto wichtiger werden Cash-Puffer, Risikosteuerung und flexible Entnahmen. Mit 67 können gesetzliche Rente und kürzerer Entnahmehorizont mehr Stabilität bringen. Das heißt nicht, dass du keine Aktien-ETFs mehr halten solltest, aber die Struktur muss zur Entnahmephase passen.
Was ist besser: 3 %-Regel oder 4 %-Regel?
Die 3-%-Regel ist defensiver und braucht mehr Kapital. Die 4-%-Regel benötigt weniger Startkapital, ist aber bei sehr langen Entnahmephasen riskanter. Für Muss-Ausgaben ist 3 % oft die bessere Planungsbasis; 4 % kann als optimistisches Szenario für flexible Ausgaben dienen.
Fazit: Dein Rentenalter ist eine Rechenaufgabe, kein Bauchgefühl
ETF-Rente mit 55 klingt attraktiv, verlangt aber ein sehr robustes Depot. ETF-Rente mit 60 kann als Brückenmodell funktionieren, wenn Ausgaben, Sparrate und spätere Rentenansprüche zusammenpassen. ETF-Rente mit 67 ist für viele Anleger der realistischste Weg, weil mehr Zeit für Zinseszins bleibt und das Depot nicht allein das ganze Leben tragen muss.
Die wichtigste Entscheidung ist deshalb nicht, ob du exakt 7 % oder 8 % erwartest. Die wichtigste Entscheidung ist, welches monatliche Muss-Budget dein Depot tragen soll und mit welcher Entnahmerate du ruhig schlafen kannst. Rechne dein Zielkapital mit 3 % und 4 %. Teste deine Sparrate im Rechner. Baue Steuer- und Cash-Puffer ein. Und wenn die Zahlen noch nicht passen, ändere die kontrollierbaren Stellschrauben: Sparrate, Laufzeit, Dynamisierung, Ausgabenziel oder Teilzeit-Übergang.
👉 Starte jetzt mit deinem eigenen Szenario im ETF-Sparplan-Rechner: 55, 60 und 67 nebeneinander rechnen, Zielkapital vergleichen und deine monatliche Sparrate realistisch planen.
Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Alle Berechnungen und Beispiele sind hypothetischer Natur und basieren auf vereinfachten Annahmen. Vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Bitte konsultiere einen zugelassenen Finanz- oder Steuerberater für individuelle Entscheidungen.
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