ETF-Spread und Handelszeit: was ein Kauf wirklich kostet
ETF-Spread und Handelszeit einfach erklärt: So berechnest du echte Kaufkosten, wählst Limitorders und vermeidest teure Ausführung beim ETF-Kauf im Depot.

Du siehst im Broker oft zuerst die Ordergebühr: 0 Euro, 1 Euro, 4,90 Euro oder ein Prozentsatz. Der ETF-Spread steht dagegen meist klein daneben oder versteckt sich im Unterschied zwischen Geldkurs und Briefkurs. Genau dort kann ein ETF-Kauf teurer werden, als die Werbeanzeige deines Brokers vermuten lässt.
Der Spread ist nicht automatisch ein Problem. Bei großen, liquiden Welt-ETFs ist er oft sehr klein. Bei ungünstiger Handelszeit, kleinen Nischen-ETFs, Stressphasen oder sehr großen Orders kann er aber den sichtbaren Brokerpreis überholen. Dann ist der kostenlose Kauf nicht wirklich kostenlos, sondern nur anders verpackt.
In diesem Artikel lernst du, wie du den ETF-Spread liest, welche Handelszeit für private Anleger meistens sinnvoll ist, wie du Limitorders nutzt und wie du die echten Kaufkosten mit einfachen Zahlen vergleichst. Es geht nicht darum, jeden Cent perfekt zu optimieren. Es geht darum, nicht aus Bequemlichkeit 10, 30 oder 100 Euro Ausführungskosten zu verschenken.
Kurzfassung: die praktische Regel
Wenn du keine Lust auf Details hast, nutze diese Daumenregel:
- Kaufe liquide Standard-ETFs möglichst während der Xetra-Kernhandelszeit, also nicht kurz vor Handelsstart und nicht in der letzten Minute.
- Bei ETFs auf US-Aktien ist der Nachmittag oft plausibler als der frühe deutsche Vormittag, weil die US-Börsen dann geöffnet sind.
- Nutze bei Einmalanlagen eine Limitorder statt einer unlimitierten Marketorder.
- Vergleiche nicht nur die Ordergebühr, sondern auch den Geld-/Brief-Spread in Prozent.
- Bei Sparplänen kannst du den Ausführungszeitpunkt meist nicht frei wählen. Dann ist die Produktwahl wichtiger als Timing-Minuten.
Für normale Monatsraten ist der Spread selten der entscheidende Hebel. Bei Einmalanlagen ab einigen Tausend Euro oder bei exotischeren ETFs lohnt sich der Blick dagegen fast immer.
👉 Rechner-CTA: Wenn du wissen willst, ob 1 Euro Ordergebühr oder 0,20 % Spread auf lange Sicht wirklich ins Gewicht fallen, teste deine Sparrate im ETF-Sparplan-Rechner. Du siehst dort, wie stark regelmäßige Beiträge, Laufzeit und Renditeannahme den Endwert beeinflussen.
Was ist der ETF-Spread?
Ein ETF hat an der Börse nicht nur einen Kurs. Es gibt mindestens zwei sichtbare Preise:
- Geldkurs: Zu diesem Preis will jemand kaufen. Wenn du sofort verkaufst, bekommst du ungefähr diesen Kurs.
- Briefkurs: Zu diesem Preis will jemand verkaufen. Wenn du sofort kaufst, zahlst du ungefähr diesen Kurs.
- Spread: Die Differenz zwischen Briefkurs und Geldkurs.
Ein einfaches Beispiel:
| Wert | Beispiel |
|---|---|
| Geldkurs | 99,95 € |
| Briefkurs | 100,05 € |
| Mittelkurs | 100,00 € |
| Spread absolut | 0,10 € |
| Spread relativ zum Mittelkurs | 0,10 % |
Wenn du zu 100,05 Euro kaufst, liegst du 0,05 Euro über dem Mittelkurs. Wenn du sofort wieder zu 99,95 Euro verkaufen würdest, wäre die volle Spanne von 0,10 Euro verloren. Deshalb unterscheidet man gedanklich zwischen dem halben Spread bei einem einzelnen Kauf gegenüber dem fairen Mittelkurs und dem vollen Spread bei Kauf plus sofortigem Verkauf.
In der Praxis musst du den fairen Mittelkurs nicht sekundengenau kennen. Wichtig ist die Größenordnung: Ein Spread von 0,05 % ist bei einem liquiden Standard-ETF etwas völlig anderes als ein Spread von 0,80 % bei einem engen Nischenprodukt.
Warum gibt es den Spread überhaupt?
ETFs werden an der Börse fortlaufend gehandelt. Market Maker stellen laufend Kauf- und Verkaufspreise, damit du nicht darauf warten musst, dass genau in diesem Moment ein anderer Privatanleger die Gegenseite deiner Order übernimmt. Diese Market Maker tragen Risiken: Kurse bewegen sich, die enthaltenen Wertpapiere müssen abgesichert werden und nicht jeder Markt ist jederzeit gleich liquide.
Je leichter die Werte im ETF handelbar sind, desto enger kann der Spread sein. Ein ETF auf große US- oder europäische Standardwerte ist für Market Maker einfacher zu taxieren als ein enger Themen-ETF, ein Schwellenländer-ETF außerhalb der lokalen Handelszeiten oder ein Anleihen-ETF in einer Stressphase.
justETF beschreibt deshalb zu Recht, dass der Spread bei beliebten liquiden Indizes oft unter einem Zehntel Prozent liegt, in Nischenmärkten aber deutlich höher ausfallen kann. Vanguard weist in seinen ETF-Handelsleitlinien ebenfalls darauf hin, dass der Spread zu den indirekten ETF-Kosten gehört und bei häufigem oder großem Handel relevanter wird.
Der Spread ist also keine versteckte Betrugsgebühr. Er ist der Preis für sofortige Handelbarkeit. Trotzdem solltest du ihn prüfen, weil du ihn anders als die TER direkt beim Kauf oder Verkauf beeinflussen kannst.
Handelszeit: warum 10:30 Uhr nicht dasselbe ist wie 21:45 Uhr
Die Deutsche Börse nennt für Xetra montags bis freitags die Handelszeit von 9:00 bis 17:30 Uhr MEZ. Für private Anleger gibt es zusätzlich erweiterte Xetra-Retail-Zeiten, und an der Börse Frankfurt wird generell von 8:00 bis 22:00 Uhr MEZ gehandelt. Das heißt aber nicht, dass jede Minute gleich gut ist.
Die beste Handelszeit ist meistens die, in der der ETF und seine zugrunde liegenden Märkte gut beobachtbar sind. Bei einem ETF auf europäische Aktien ist das häufig während der europäischen Kernhandelszeit. Bei einem ETF auf US-Aktien ist der deutsche Vormittag schwieriger: Die US-Börsen sind noch geschlossen, Market Maker müssen stärker mit Futures und Indikationen arbeiten. Nach US-Handelsstart ist die Preisfindung oft robuster.
Auch die ersten und letzten Minuten eines Handelstages können breitere Spreads haben. Direkt nach Handelsbeginn müssen sich viele Einzelwerte erst einpendeln. Kurz vor Schluss werden Risiken neu bewertet, manche Marktteilnehmer ziehen Liquidität zurück oder bereiten Auktionen vor. Vanguard formuliert es allgemein: Bei globalen ETFs sind Spreads typischerweise enger, wenn die zugrunde liegenden Märkte geöffnet sind; nahe Eröffnung und Schluss können sie weiter sein.
Für dich heißt das nicht, dass du nie morgens kaufen darfst. Es heißt nur: Wenn du eine größere Einmalanlage planst und keinen Zeitdruck hast, ist eine ruhige liquide Marktphase meistens besser als eine spontane Order um 8:05 Uhr oder 21:55 Uhr.
Was kostet der Spread konkret?
Rechne den Spread nicht abstrakt, sondern in Euro. Das macht die Entscheidung klarer. In der folgenden Tabelle ist der angezeigte Spread die komplette Geld-/Brief-Spanne. Der halbe Spread zeigt näherungsweise den Aufschlag eines Kaufs gegenüber dem Mittelkurs. Der volle Spread entspricht ungefähr dem Verlust, wenn du direkt kaufen und wieder verkaufen würdest.
| Ordersumme | Angezeigter Spread | Näherungsweise Kaufkosten gegen Mittelkurs | Volle Kauf-/Verkauf-Spanne |
|---|---|---|---|
| 1.000 € | 0,05 % | 0,25 € | 0,50 € |
| 1.000 € | 0,20 % | 1,00 € | 2,00 € |
| 1.000 € | 0,80 % | 4,00 € | 8,00 € |
| 5.000 € | 0,05 % | 1,25 € | 2,50 € |
| 5.000 € | 0,20 % | 5,00 € | 10,00 € |
| 5.000 € | 0,80 % | 20,00 € | 40,00 € |
| 20.000 € | 0,05 % | 5,00 € | 10,00 € |
| 20.000 € | 0,20 % | 20,00 € | 40,00 € |
| 20.000 € | 0,80 % | 80,00 € | 160,00 € |
Die Tabelle zeigt zwei Dinge. Erstens: Bei kleinen Sparraten und liquiden ETFs ist der Spread oft kaum spürbar. Zweitens: Bei größeren Einmalanlagen wird ein breiter Spread schnell größer als die Ordergebühr.
Ein Broker mit 0 Euro Ordergebühr und 0,80 % Spread kann bei einer 5.000-Euro-Order schlechter sein als ein Broker mit 4,90 Euro Gebühr und engem Spread. Umgekehrt ist ein 1-Euro-Broker bei einem liquiden ETF mit 0,05 % Spread wahrscheinlich völlig ausreichend. Entscheidend ist das Gesamtpaket.
Ordergebühr, Spread und TER: drei verschiedene Kosten
Viele Anleger vermischen Ordergebühr, Spread und TER. Das führt zu falschen Entscheidungen.
Die Ordergebühr zahlst du deinem Broker oder indirekt über das Preismodell des Handelsplatzes. Sie fällt pro Ausführung an. Die TER ist eine laufende Produktkostenquote im Fonds. Sie mindert die Rendite innerhalb des ETF, aber sie wird nicht als separate Abbuchung bei jedem Kauf sichtbar. Beim iShares Core MSCI World UCITS ETF mit ISIN IE00B4L5Y983 nennt unsere Referenz eine TER von 0,20 %, beim Xtrackers MSCI World mit ISIN IE00BJ0KDQ92 0,12 %, beim Amundi MSCI World mit ISIN IE000BI8OT95 0,10 %.
Der Spread fällt dagegen beim Handel an. Er ist kein jährlicher Prozentsatz, sondern eine Ausführungskomponente. Ein ETF mit niedriger TER kann beim Kauf trotzdem ungünstig sein, wenn du ihn in einem schlechten Moment mit breitem Spread kaufst. Ein ETF mit minimal höherer TER kann für kleine Sparraten trotzdem sinnvoll sein, wenn er breit, liquide und günstig besparbar ist.
Wenn du langfristig investierst, ist die TER dauerhaft relevant. Wenn du einmalig groß kaufst oder häufig umschichtest, werden Spread und Ordergebühr relevanter. Genau deshalb solltest du nicht nur auf ein einziges Kostenetikett schauen.
Limitorder: einfache Versicherung gegen schlechte Ausführung
Eine Marketorder sagt: Kaufe sofort zum besten verfügbaren Preis. Das klingt bequem, aber die Priorität ist Ausführung, nicht Preis. In ruhigen liquiden Märkten kann das gut gehen. In volatilen Märkten, bei engen ETFs oder bei größeren Orders kann der tatsächliche Ausführungskurs spürbar von dem abweichen, was du gerade im Broker gesehen hast.
Eine Limitorder sagt: Kaufe höchstens zu diesem Preis. Du gibst also einen maximalen Kaufkurs vor. Wird dieser Kurs erreicht oder unterschritten, kann die Order ausgeführt werden. Wird er nicht erreicht, bleibt die Order offen oder läuft aus.
Beispiel: Der ETF zeigt Geld 100,00 Euro und Brief 100,08 Euro. Du willst kaufen, aber nicht zu 100,50 Euro überrascht werden. Dann kannst du ein Kauflimit knapp über dem aktuellen Briefkurs setzen, etwa 100,10 Euro. So gibst du dem Markt etwas Spielraum, schützt dich aber vor einer Ausführung weit darüber.
Das Limit garantiert keine Ausführung. Es garantiert nur, dass du nicht oberhalb deines Limits kaufst. Bei langfristigen ETF-Käufen ist das meistens ein guter Tausch: lieber eine nicht ausgeführte Order kontrolliert neu prüfen als eine unnötig teure Sofortausführung akzeptieren.
Handelsplatz: Xetra, Frankfurt, Tradegate und außerbörsliche Partner
Viele Broker zeigen mehrere Handelsplätze. Die Versuchung ist groß, einfach den ersten oder den billigsten auszuwählen. Besser ist ein kurzer Vergleich:
- Wie hoch ist der aktuelle Spread?
- Wie viel Stückzahl liegt auf Geld- und Briefseite sichtbar im Orderbuch?
- Welche Handelszeit gilt gerade?
- Gibt es zusätzliche Handelsplatzentgelte?
- Passt der Handelsplatz zum ETF und zur Ordergröße?
Xetra ist für ETFs in Deutschland oft ein sehr relevanter Referenzmarkt. Börse Frankfurt und außerbörsliche Handelspartner können für Privatanleger ebenfalls praktisch sein, vor allem wegen längerer Handelszeiten. Längere Zeiten sind aber kein Freifahrtschein. Ein enger Spread um 15:30 Uhr kann besser sein als eine bequeme Spätorder mit breiterem Spread.
Außerbörslicher Direkthandel ist nicht automatisch schlecht. Er kann sehr günstig sein, wenn der Partner gute Kurse stellt und dein Broker keine Zusatzkosten nimmt. Trotzdem solltest du den angezeigten Kurs gegen einen Referenzmarkt prüfen. Wenn der Direkthandel scheinbar kostenlos ist, der Briefkurs aber schlechter steht, bezahlst du über die Ausführung.
Sparplan-Ausführung: weniger Kontrolle, andere Prioritäten
Bei einem ETF-Sparplan legst du meistens keinen eigenen Handelszeitpunkt fest. Der Broker bündelt Sparplanorders und führt sie nach eigenen Regeln aus. justETF weist ebenfalls darauf hin, dass Sparplananleger Handelsplatz und Ausführung meist nicht selbst bestimmen.
Das ist nicht automatisch schlecht. Sparpläne sind für regelmäßiges langfristiges Investieren gebaut. Bei 50, 100 oder 300 Euro im Monat ist der Unterschied zwischen perfekter und durchschnittlicher Ausführung oft kleiner als der Unterschied zwischen anfangen und weiter warten. Wichtiger sind dann:
- ein breit diversifizierter ETF,
- niedrige laufende Produktkosten,
- verlässliche Sparplanausführung,
- keine unnötigen Aktionsprodukt-Wechsel,
- ein Betrag, den du langfristig durchhältst.
Trotzdem lohnt ein Blick in die Abrechnungen. Wenn dein Broker dauerhaft zu ungünstigen Zeiten oder mit auffällig großen Abweichungen ausführt, kannst du einen anderen Ausführungstag, einen anderen ETF oder einen anderen Broker prüfen. Erwarte aber keine Millimeterpräzision bei jeder Monatsrate.
👉 Rechner-CTA: Plane zuerst die Sparrate und Laufzeit im ETF-Sparplan-Rechner. Danach kannst du immer noch optimieren, ob eine jährliche Einmalanlage, eine monatliche Sparrate oder eine Kombination besser zu deiner Liquidität passt.
Wann der Spread besonders wichtig wird
Der Spread wird vor allem in fünf Situationen wichtig.
Erstens: größere Einmalanlagen. Wenn du 20.000 Euro aus Tagesgeld in einen ETF umschichtest, sind 0,40 % Ausführungsunterschied 80 Euro gegen den Mittelkurs oder 160 Euro als volle Spanne. Das ist nicht existenzbedrohend, aber es ist auch kein Rundungsfehler.
Zweitens: Nischen-ETFs. Themen-ETFs, enge Branchen, kleine Fonds oder schwer handelbare Märkte können größere Spreads haben. Der ETF selbst mag in dein Portfolio passen, aber der Kauf braucht mehr Disziplin.
Drittens: Schwellenländer und Asien. Wenn die lokalen Börsen geschlossen sind, müssen Market Maker stärker schätzen. Das kann funktionieren, ist aber oft weniger präzise als Handel während überlappender Marktzeiten.
Viertens: volatile Nachrichtenphasen. Zinsentscheidungen, Inflationsdaten, Arbeitsmarktdaten, Unternehmensberichte oder geopolitische Ereignisse können Spreads ausweiten. Wenn du nicht handeln musst, warte ab.
Fünftens: Umschichtungen. Wer einen ETF verkauft und direkt einen anderen kauft, zahlt Ausführungskosten auf beiden Seiten. Bei einem Wechsel wegen 0,03 Prozentpunkten TER-Unterschied kann das die Ersparnis für Jahre auffressen. Der passende vertiefende Artikel dazu ist Tracking Difference bei ETFs: warum die TER allein nicht reicht.
Rechenbeispiel: kostenloser Broker gegen günstige Ausführung
Nimm eine Einmalanlage von 5.000 Euro. Broker A wirbt mit 0 Euro Ordergebühr, der verfügbare Spread liegt aber bei 0,80 %. Broker B kostet 4,90 Euro Ordergebühr, bietet zur gleichen Zeit aber einen Spread von 0,05 %.
- Broker A: 0 Euro Gebühr plus näherungsweise 20,00 Euro Spreadkosten gegenüber Mittelkurs.
- Broker B: 4,90 Euro Gebühr plus näherungsweise 1,25 Euro Spreadkosten gegenüber Mittelkurs, also zusammen 6,15 Euro.
In diesem Beispiel ist der scheinbar teurere Broker günstiger. Natürlich ist das keine allgemeine Brokerempfehlung. Es zeigt nur: Wenn du nur die sichtbare Ordergebühr vergleichst, kann deine Entscheidung falsch sein.
Bei einem sehr liquiden ETF und gleichem Spread sähe es anders aus. Dann wäre Broker A wahrscheinlich günstiger. Deshalb ist der Spread kein Argument gegen Neobroker. Er ist ein Argument gegen blindes Klicken.
Steuer und Rendite: was der Spread nicht verändert
Der Spread verändert deinen Kaufkurs. Er verändert nicht die deutschen Steuerregeln. Wenn später Gewinne entstehen, gelten die normalen Regeln für Kapitalerträge. Für deutsche ETF-Beispiele sind insbesondere diese Werte wichtig: Kapitalertragsteuer 25% plus 5,5% Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375%; bei Aktien-ETFs sind 30% der Erträge teilfreigestellt, was rechnerisch zu 18,4625% effektivem Steuersatz auf den gesamten Aktien-ETF-Ertrag führt. Der Sparerpauschbetrag beträgt seit 2023 €1.000. Für die Vorabpauschale 2026 gilt in unseren Beispielen ein Basiszins von 3,20 %.
Diese Steuerwerte sind wichtig, aber sie sind nicht der Hebel dieses Artikels. Beim Kauf entscheidest du über Handelszeit, Handelsplatz, Ordertyp und Produkt. Bei der Steuer entscheidest du eher über Freistellungsauftrag, Dokumentation und die Frage, ob Ausschüttungen oder Vorabpauschalen korrekt abgerechnet werden. Beides gehört zusammen, aber du solltest es nicht vermischen.
Praktische Checkliste vor dem ETF-Kauf
Nutze vor größeren Käufen diese kurze Reihenfolge:
- Produkt prüfen: Passt der ETF wirklich zu deinem Portfolio? Ist er breit genug, groß genug und zu vertretbaren laufenden Kosten handelbar?
- Spread anschauen: Geldkurs, Briefkurs und relative Spanne prüfen. Nicht nur die Brokergebühr lesen.
- Handelszeit prüfen: Liegen Xetra-Kernzeit und wichtige zugrunde liegende Märkte möglichst offen oder plausibel überlappend?
- Limit setzen: Kauflimit knapp oberhalb des aktuellen Briefkurses oder nach eigener Schmerzgrenze festlegen.
- Ordergröße bedenken: Sehr große Orders bei engen ETFs lieber aufteilen oder mit dem Broker klären.
- Abrechnung kontrollieren: Ausführungskurs, Handelsplatz, Gebühren und Stückzahl nachträglich prüfen.
Wenn du diese sechs Punkte beachtest, bist du bereits weiter als viele Anleger, die nur auf den Button „Kaufen“ klicken.
Häufige Fehler beim ETF-Kauf
Ein häufiger Fehler ist der Kauf außerhalb liquider Zeiten, nur weil der Broker gerade erreichbar ist. Ein anderer Fehler ist die Marketorder bei Produkten mit dünnem Handel. Ebenfalls problematisch ist die Jagd nach Aktions-ETFs ohne Blick auf Spread, Fondsgröße, Index und langfristige Eignung.
Der Spread ist also ein Hygiene-Faktor. Er macht aus einem schlechten ETF keinen guten. Aber er verhindert, dass ein guter ETF unnötig teuer gekauft wird.
👉 Rechner-CTA: Wenn du nach dem Kauf wissen willst, ob deine Sparrate zum Ziel passt, rechne verschiedene Monatsbeträge direkt im ETF-Sparplan-Rechner durch. Die Ausführungskosten sind einmalig, deine Sparrate wirkt über Jahre.
FAQ
Ist ein ETF mit 0 Euro Ordergebühr wirklich kostenlos?
Nicht vollständig. Die Brokergebühr kann 0 Euro sein, aber du handelst trotzdem zum Geld- oder Briefkurs. Der Spread ist eine indirekte Handelskomponente. Bei liquiden Standard-ETFs ist sie oft klein, bei ungünstigen Zeiten oder Nischen-ETFs kann sie relevant werden.
Sollte ich ETFs immer über Xetra kaufen?
Nicht immer, aber Xetra ist ein wichtiger Referenzmarkt. Vergleiche Spread, Handelszeit, Orderbuch und Gebühren. Wenn ein anderer Handelsplatz zur gleichen Zeit einen besseren Gesamtpreis bietet, kann er sinnvoll sein. Längere Handelszeiten allein sind kein Qualitätsmerkmal.
Welche Handelszeit ist für ETFs am besten?
Für viele europäische Standard-ETFs ist eine ruhige Phase innerhalb der Xetra-Kernzeit sinnvoll. Bei US-lastigen ETFs kann der Nachmittag nach US-Handelsstart besser sein als der deutsche Vormittag. Meide nach Möglichkeit die ersten und letzten Minuten sowie volatile Nachrichtenphasen.
Was bringt eine Limitorder beim ETF-Kauf?
Eine Limitorder begrenzt deinen maximalen Kaufkurs. Sie schützt dich vor einer Ausführung weit oberhalb des angezeigten Niveaus. Der Nachteil: Die Order kann unvollständig oder gar nicht ausgeführt werden. Für größere Einmalanlagen ist diese Kontrolle meist wertvoll.
Muss ich bei einem ETF-Sparplan den Spread prüfen?
Du kannst ihn prüfen, aber du steuerst die Ausführung meistens nicht direkt. Bei kleinen regelmäßigen Raten ist der langfristige Plan wichtiger als perfektes Timing. Trotzdem solltest du Abrechnungen gelegentlich kontrollieren und bei auffälligen Kursabweichungen Alternativen prüfen.
Ist ein breiter Spread ein Zeichen für einen schlechten ETF?
Nicht automatisch. Er kann auf einen schwer handelbaren Markt, eine ungünstige Uhrzeit oder temporäre Volatilität hindeuten. Wenn der Spread dauerhaft hoch ist, solltest du aber prüfen, ob es einen liquideren ETF auf denselben oder einen ähnlichen Index gibt.
Fazit: nicht obsessiv optimieren, aber bewusst handeln
Der ETF-Spread ist kein Grund, langfristiges Investieren kompliziert zu machen. Für kleine Sparraten in liquiden Welt-ETFs ist er meistens kein Drama. Für Einmalanlagen, Umschichtungen und Nischenprodukte kann er aber mehr kosten als die sichtbare Ordergebühr.
Die beste Lösung ist simpel: Kaufe nicht blind, sondern kontrolliert. Prüfe Spread und Handelszeit, nutze bei größeren Orders ein Limit und vergleiche den Gesamtpreis statt nur die Brokerwerbung. Dann bleibt der ETF-Kauf das, was er sein sollte: ein sauberer Schritt in deinem langfristigen Vermögensaufbau, nicht ein kleines Ausführungsroulette.
Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Alle Berechnungen und Beispiele sind hypothetischer Natur und basieren auf vereinfachten Annahmen. Vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Bitte konsultiere einen zugelassenen Finanz- oder Steuerberater für individuelle Entscheidungen.
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