Weltportfolio nach Gerd Kommer: die Schritt-für-Schritt-Anleitung
Weltportfolio nach Gerd Kommer: Schritt für Schritt zum globalen ETF-Portfolio mit Aktien, Anleihen, Rebalancing, Steuern und Sparplan-Beispielen für 2026.

Ein Weltportfolio klingt erst einmal nach etwas, das nur Vermögensverwalter mit mehreren Bildschirmen und einem sehr dicken Research-Budget bauen. Die Grundidee ist aber erstaunlich einfach: Du kaufst nicht die eine Aktie, das eine Land oder den einen Trend, sondern den globalen Kapitalmarkt möglichst breit, günstig und regelbasiert. Genau dafür steht die von Gerd Kommer populär gemachte Weltportfolio-Idee: breit diversifizieren, Kosten niedrig halten, Prognosen ignorieren, Risiko bewusst wählen und dann lange genug dabeibleiben.
Dieser Artikel zeigt dir Schritt für Schritt, wie du aus der Idee ein praktisches ETF-Portfolio machst. Du bekommst keine Anlageberatung und keine perfekte Musterlösung für jede Lebenslage. Du bekommst einen sauberen Bauplan: Welche Bausteine brauchst du? Wie viel Aktienquote passt? Wie gehst du mit Schwellenländern, Anleihen, Rebalancing, Steuern und Sparplanraten um? Und wann reicht ein einziger ETF statt eines komplexen Multi-ETF-Depots?
Wenn du während des Lesens deine Zahlen prüfen willst, öffne parallel den ETF-Sparplan-Rechner. Dort kannst du Sparrate, Laufzeit und Renditeannahme direkt anpassen, statt dich auf Tabellen aus einem Artikel zu verlassen.
Was bedeutet „Weltportfolio nach Gerd Kommer“?
Das Weltportfolio ist keine geheime ETF-Liste und kein starres Produkt. Es ist eine Investment-Logik. Der Kern lautet: Dein Renditetreiber ist der globale Aktienmarkt, nicht die Fähigkeit, Gewinnerländer oder Gewinnerbranchen vorherzusagen. Deshalb wird der riskante Teil breit über Länder, Währungen, Branchen und Unternehmensgrößen gestreut. Der risikoarme Teil stabilisiert das Depot und verhindert, dass du in einem Crash aus Panik verkaufen musst.
Gerd Kommer hat diese Denkweise im deutschsprachigen Raum stark geprägt: wissenschaftsnah, kostenbewusst und skeptisch gegenüber Market Timing. Wichtig ist: Ein Weltportfolio „nach Kommer“ heißt nicht automatisch, dass du jede theoretische Anlageklasse exakt nachbauen musst. Für Privatanleger ist Einfachheit oft wertvoller als die letzte Nachkommastelle in der Diversifikation.
Praktisch besteht ein Weltportfolio meistens aus zwei Ebenen:
- Risikobehafteter Teil: Aktien-ETFs auf globale Märkte, zum Beispiel MSCI World plus Emerging Markets oder ein FTSE-All-World-/MSCI-ACWI-ETF.
- Risikoarmer Teil: Tagesgeld, Geldmarkt-ETF, kurzlaufende Anleihen oder andere liquide Sicherheitsbausteine.
Die wichtigste Entscheidung ist daher nicht „Welcher ETF ist der beste?“, sondern: Wie viel Schwankung kannst du finanziell und psychologisch aushalten?
Schritt 1: Lege zuerst deine Aktienquote fest
Viele Anleger starten falsch. Sie vergleichen TERs, diskutieren über MSCI World gegen FTSE All-World und optimieren Rebalancing-Regeln, bevor sie die wichtigste Stellschraube festgelegt haben: die Aktienquote. Ob du 60%, 80% oder 100% Aktien hältst, beeinflusst dein Risiko viel stärker als die Frage, ob dein Welt-ETF 0,19% oder 0,20% TER kostet.
Eine einfache Faustregel: Je länger dein Anlagehorizont und je stabiler dein Einkommen, desto höher kann die Aktienquote sein. Je näher du an einer großen Entnahme bist oder je unsicherer dein Job, desto mehr spricht für einen Sicherheitsbaustein. Für einen 30-jährigen Sparer mit 30 Jahren Horizont kann 90–100% Aktien plausibel sein. Für jemanden, der in sieben Jahren eine Immobilie kaufen will, wäre das oft zu aggressiv.
Drei Beispielprofile:
| Profil | Aktienquote | Risikoarmer Teil | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Defensiv | 60% | 40% | Geeignet, wenn du starke Schwankungen schlecht aushältst oder mittelfristig Geld brauchst. |
| Ausgewogen | 80% | 20% | Häufiger Kompromiss für lange Horizonte mit etwas Stabilität. |
| Offensiv | 100% | 0% | Maximal einfach, aber in Crashphasen mental anspruchsvoll. |
Nimm diese Tabelle nicht als Empfehlung, sondern als Startpunkt. Die beste Aktienquote ist die, die du auch dann durchhältst, wenn dein Depot zwischenzeitlich 30% oder mehr im Minus steht.
Schritt 2: Wähle den Aktienbaustein – Ein-ETF-Lösung oder Baukasten?
Für den Aktienanteil hast du zwei typische Wege. Die einfache Variante ist ein globaler All-in-One-ETF. Die Baukasten-Variante trennt Industrieländer, Schwellenländer und manchmal Small Caps.
Variante A: Ein ETF für die Welt
Ein ETF auf den FTSE All-World oder MSCI ACWI ist die pragmatischste Lösung. Du kaufst mit einer Sparrate tausende Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. Beim Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (USD) Accumulating, ISIN IE00BK5BQT80, WKN A2PKXG, Ticker VWCE, lag die TER laut justETF-Prüfung am 12.06.2026 bei 0,19% p.a. Er ist thesaurierend und bildet den Index physisch per optimiertem Sampling ab. Wichtig: FTSE All-World enthält Large und Mid Caps, aber keine Small Caps.
Der Vorteil ist eindeutig: wenig Aufwand, wenig Fehlerquellen, ein Sparplan, ein Rebalancing-Problem weniger. Der Nachteil: Du akzeptierst die Indexgewichtung des Anbieters. Du kannst Schwellenländer oder Small Caps nicht bewusst über- oder untergewichten, ohne zusätzliche ETFs zu kaufen.
Variante B: MSCI World plus Emerging Markets
Die klassische Zwei-ETF-Variante kombiniert einen MSCI-World-ETF für Industrieländer mit einem Emerging-Markets-ETF. Aus den QA-Regeln als geprüfte Beispiele: iShares Core MSCI World UCITS ETF, ISIN IE00B4L5Y983, TER 0,20%; Xtrackers MSCI World UCITS ETF, ISIN IE00BJ0KDQ92, TER 0,12%; iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF, ISIN IE00B4L5YC18, TER 0,18%.
Typische Mischungen sind 80/20 oder 90/10 zwischen Industrieländern und Schwellenländern. Die marktnahe Gewichtung schwankt, deshalb solltest du keine Scheingenauigkeit vortäuschen. Entscheidend ist, dass du eine Zielquote festlegst und sie nicht jeden Monat aus dem Bauch heraus veränderst.
Variante C: mit Small Caps oder Faktor-ETFs erweitern
Ein Kommer-nahes Weltportfolio kann auch Small Caps oder Faktorprämien einbeziehen. Das ist aber optional. Small Caps erhöhen die Komplexität, Faktor-ETFs können lange Phasen der Unterperformance haben und mehrere ETFs machen Rebalancing anspruchsvoller. Für viele Sparer ist die Reihenfolge sinnvoll: Erst mit einem globalen Kern starten, dann nach einem Jahr prüfen, ob du wirklich mehr Bausteine brauchst.
Schritt 3: Bestimme den risikoarmen Baustein
Der risikoarme Teil ist nicht langweilig, sondern dein Sicherheitsgurt. Er soll nicht die Aktienrendite schlagen. Er soll verfügbar, verständlich und stabil genug sein, damit du in schlechten Marktphasen ruhig bleibst. Für Privatanleger kommen vor allem Tagesgeld, Festgeldleiter, kurzlaufende Staatsanleihen hoher Bonität oder Geldmarkt-ETFs infrage. Was genau passt, hängt von Steuern, Einlagensicherung, Laufzeit und persönlicher Situation ab.
Wenn du neu startest, ist Tagesgeld oft die simpelste Lösung. Du musst keine Duration verstehen, hast kein Kursrisiko wie bei längeren Anleihen und kannst deinen Notgroschen sauber vom Investmentdepot trennen. Ein Geldmarkt-ETF kann bei größeren Beträgen interessant sein, aber er ist kein Sparkonto und gehört verstanden, bevor du ihn kaufst.
Wichtig: Der Notgroschen ist nicht automatisch Teil des Weltportfolios. Drei bis sechs Monatsausgaben auf einem separaten Konto sind Liquiditätsreserve. Erst das Geld darüber hinaus ist Anlagevermögen, das du strategisch aufteilen kannst.
Schritt 4: Rechne dein Zielportfolio konkret durch
Aus einer Strategie wird erst dann ein Plan, wenn du Euro-Beträge daraus machst. Angenommen, du möchtest 20.000 € Startkapital und 400 € monatliche Sparrate investieren. Du entscheidest dich für 80% Aktien und 20% risikoarmen Teil. Dann gehören 16.000 € in den Aktienbaustein und 4.000 € in den Sicherheitsbaustein. Von jeder neuen Sparrate gehen 320 € in Aktien und 80 € in Tagesgeld oder einen vergleichbaren risikoarmen Baustein.
Bei einer Ein-ETF-Lösung wäre das besonders einfach: 320 € monatlich in den globalen ETF, 80 € auf den Sicherheitsbaustein. Bei einer 80/20-Aktienaufteilung aus MSCI World und Emerging Markets würden von den 320 € Aktienanteil 256 € in den MSCI World und 64 € in Emerging Markets fließen.
Nutze für die Renditeprojektion realistische, aber nicht garantierte Annahmen. Die QA-geprüften Referenzwerte arbeiten mit monatlichem Compounding nachschüssig. Beispiel: 300 € monatlich, 7% p.a., 25 Jahre ergeben rund 243.000 € Endkapital bei 90.000 € Einzahlungen. 500 € monatlich, 8% p.a., 20 Jahre ergeben rund 294.000 € bei 120.000 € Einzahlungen. Das sind hypothetische Rechnungen, keine Zusage.
Wenn du deine eigene Sparrate testen willst, nutze den Sparplan-Rechner. Ändere dort bewusst nur eine Variable: erst Sparrate, dann Laufzeit, dann Renditeannahme. So siehst du, was wirklich zählt.
Schritt 5: Rebalancing-Regel festlegen
Rebalancing bedeutet, dass du dein Portfolio zurück auf die Zielquoten bringst. Ohne Regel wirst du in guten Aktienjahren automatisch riskanter und in Crashphasen vielleicht zu defensiv. Mit Regel vermeidest du spontane Bauchentscheidungen.
Für Privatanleger reichen zwei einfache Varianten:
- Kalender-Rebalancing: Einmal pro Jahr prüfst du die Quoten und passt sie an.
- Bandbreiten-Rebalancing: Du greifst nur ein, wenn eine Anlageklasse um mehr als 5 Prozentpunkte von der Zielquote abweicht.
Beispiel: Ziel sind 80% Aktien und 20% risikoarm. Nach einem starken Aktienjahr steht dein Portfolio bei 86/14. Dann könntest du neue Sparraten in den risikoarmen Teil lenken oder einen kleinen Teil der Aktien verkaufen. Steuerlich ist es oft günstiger, zuerst über neue Sparraten und Ausschüttungen zu rebalancen, statt Gewinne zu realisieren.
Rebalancing ist kein Rendite-Booster, sondern Risikomanagement. Es zwingt dich, teuer gewordene Teile nicht immer weiter laufen zu lassen und gefallene Teile nicht aus Angst zu meiden.
Schritt 6: Steuern sauber einplanen
Ein Weltportfolio ist steuerlich nicht kompliziert, aber du solltest die Grundregeln kennen. Für 2026 gilt laut QA-Regeln: Kapitalertragsteuer 25% plus 5,5% Solidaritätszuschlag ergeben 26,375%. Bei Aktien-ETFs sind 30% der Erträge steuerfrei, wodurch sich ein effektiver Steuersatz von 18,4625% auf entsprechende steuerpflichtige Erträge ergibt. Der Sparerpauschbetrag liegt bei 1.000 €.
Bei thesaurierenden ETFs kann die Vorabpauschale relevant werden. Die vereinfachte Logik: Basisertrag = Fondswert zu Jahresanfang × 0,70 × Basiszins. Für 2026 beträgt der Basiszins 3,20 %. Die Vorabpauschale ist der kleinere Wert aus Basisertrag und tatsächlichem Wertzuwachs. Steuerpflichtig ist nur der Betrag oberhalb des anteiligen Freistellungsauftrags.
Beispiel: Ein Aktien-ETF steht zu Jahresanfang bei 50.000 €. Der Basisertrag beträgt 50.000 € × 0,70 × 3,20 % = 1.120 €. Wenn der tatsächliche Wertzuwachs mindestens so hoch ist und dein Freistellungsauftrag schon verbraucht ist, wäre bei 30% Teilfreistellung nur 70% davon steuerlich relevant. Die Steuerbelastung hängt dann von deiner konkreten Situation ab. Der Punkt ist: Plane den Freistellungsauftrag bewusst und verteile ihn nicht zufällig auf alte Konten.
Schritt 7: Sparplan technisch einrichten
Die technische Umsetzung sollte langweilig sein. Wähle einen Broker, bei dem deine gewünschten ETFs sparplanfähig sind und die Ausführungskosten niedrig bleiben. Laut QA-Regeln sind Sparpläne bei vielen Neobrokern ab 1 € möglich; klassische Banken können je nach Modell 0,2–2,5% der Sparrate pro Ausführung kosten. Bei kleinen Sparraten sind prozentuale Kosten besonders schädlich.
Richte die Sparrate direkt nach Gehaltseingang ein. Dadurch investierst du, bevor Konsumreste entscheiden, wie viel übrig bleibt. Wenn du mehrere ETFs nutzt, prüfe, ob dein Broker pro ETF Mindestbeträge verlangt. Bei 100 € monatlich kann ein Vier-ETF-Portfolio unnötig fummelig werden; ein Ein-ETF-Portfolio ist dann oft überlegen.
Dokumentiere außerdem deine Zielquoten in einer einfachen Notiz: Warum hast du 80/20 gewählt? Warum dieser ETF? Wann rebalancierst du? Diese Notiz schützt dich später vor Aktionismus.
Beispiel-Portfolios: von sehr einfach bis ambitioniert
Portfolio 1: maximal einfach
- 100% globaler All-in-One-ETF, zum Beispiel FTSE All-World oder MSCI ACWI
- Notgroschen separat auf Tagesgeld
- Rebalancing entfällt innerhalb des Aktienbausteins
Das passt, wenn du jung bist, lange investierst und Schwankungen aushältst. Es ist nicht „zu simpel“, sondern für viele Anleger genau richtig.
Portfolio 2: ausgewogen
- 80% globaler Aktien-ETF
- 20% Tagesgeld, Geldmarkt oder kurzlaufender Sicherheitsbaustein
- Jährliche Prüfung der 80/20-Quote
Das passt, wenn du langfristig Rendite willst, aber in Crashphasen nicht komplett dem Aktienmarkt ausgeliefert sein möchtest.
Portfolio 3: Baukasten
- 70% MSCI World
- 15% Emerging Markets
- 15% risikoarmer Teil
- Optional später Small Caps oder Faktorbaustein
Das passt, wenn du gerne selbst steuerst und die zusätzliche Komplexität wirklich pflegst. Wenn du Rebalancing hasst, ist es nicht besser als Portfolio 1.
Häufige Fehler beim Weltportfolio
Der erste Fehler ist Home Bias: zu viel Deutschland, weil es vertraut wirkt. Deutschland ist wirtschaftlich wichtig, aber im Weltaktienmarkt nur ein kleiner Ausschnitt. Ein Weltportfolio soll genau diese Klumpenrisiken vermeiden.
Der zweite Fehler ist Produkt-Hopping. Heute FTSE All-World, morgen MSCI ACWI, nächste Woche ein Faktor-ETF, danach ein Themen-ETF für KI. Jede Änderung fühlt sich rational an, kann aber am Ende nur Unruhe erzeugen. Wenn du eine saubere Strategie hast, muss nicht jede neue ETF-Liste dein Depot verändern.
Der dritte Fehler ist falsche Genauigkeit. Ob Emerging Markets 10%, 12% oder 15% ausmachen, ist weniger entscheidend als die Frage, ob du deine Sparrate 20 Jahre durchziehst. Ein robustes Portfolio ist besser als ein theoretisch perfektes, das du dauernd anfasst.
Der vierte Fehler ist Steuerblindheit. Wer Freistellungsauftrag, Teilfreistellung und Vorabpauschale ignoriert, verschenkt zwar nicht automatisch riesige Beträge, produziert aber vermeidbare Reibung. Halte es einfach, aber nicht ahnungslos.
Benchmark: Warum Verhalten wichtiger ist als die perfekte ETF-Auswahl
Bei einem Weltportfolio unterschätzen viele den Verhaltensvorteil. Zwei Anleger können denselben ETF kaufen und trotzdem völlig unterschiedliche Ergebnisse erzielen. Der eine hält den Sparplan 20 Jahre durch, erhöht die Rate nach Gehaltssteigerungen und rebalanciert ruhig. Der andere stoppt nach dem ersten Crash, wartet auf den perfekten Wiedereinstieg und kauft später teurer zurück. Die Produktwahl war identisch, das Ergebnis nicht.
Deshalb solltest du dein Weltportfolio so bauen, dass du es an schlechten Tagen noch verstehst. Eine einfache Regel wie „80% globaler Aktien-ETF, 20% Sicherheitsbaustein, jährliche Prüfung im Januar“ ist oft stärker als ein Depot mit sieben ETFs, das zwar theoretisch eleganter aussieht, aber bei jeder Marktbewegung Zweifel auslöst. Wenn du Komplexität hinzufügst, braucht jeder Baustein eine klare Aufgabe: mehr globale Breite, bewusste Faktorprämie, stabilerer Sicherheitsanteil oder steuerliche Vereinfachung. Hat ein ETF keine klare Aufgabe, gehört er wahrscheinlich nicht ins Depot.
FAQ
Ist das Weltportfolio nach Gerd Kommer eine konkrete ETF-Empfehlung?
Nein. Es ist eher ein Konzept für breit gestreutes, prognosearmes Investieren. Konkrete ETFs musst du anhand von Kosten, Index, Fondsgröße, Replikation, Ausschüttungsart und Sparplanfähigkeit auswählen.
Reicht ein einziger FTSE-All-World-ETF?
Für viele Sparer ja. Ein einziger globaler ETF kann sehr breit streuen und ist einfach zu pflegen. Er ersetzt aber nicht die Entscheidung über deinen risikoarmen Baustein und enthält beim FTSE All-World keine Small Caps.
Muss ich Anleihen im Depot haben?
Nicht zwingend. Der risikoarme Teil kann auch über Tagesgeld oder ähnliche liquide Bausteine abgebildet werden. Entscheidend ist, dass du bewusst entscheidest, wie viel Schwankung du tragen willst.
Wie oft sollte ich rebalancen?
Einmal jährlich oder bei Abweichungen von mehr als 5 Prozentpunkten reicht meistens. Häufigeres Rebalancing erhöht Aufwand und kann steuerlich ungünstig sein.
Welche Rendite darf ich annehmen?
Für langfristige Aktien-ETF-Sparpläne werden häufig 7–8% p.a. als historische, nicht garantierte Annahme verwendet. Die QA-Regeln nennen für den MSCI World langfristige historische Sparplanwerte, aber daraus folgt keine Garantie für die Zukunft.
Wie starte ich mit kleiner Sparrate?
Starte lieber einfach. Bei 50 € oder 100 € monatlich ist ein globaler ETF meist praktikabler als ein Baukasten aus vier Produkten. Du kannst später immer noch erweitern.
Fazit: Dein Weltportfolio muss durchhaltbar sein
Das beste Weltportfolio ist nicht das komplexeste. Es ist das Portfolio, das breit gestreut, günstig, steuerlich sauber und psychologisch durchhaltbar ist. Wenn du heute starten willst, definiere zuerst deine Aktienquote, wähle dann einen globalen Aktienbaustein, trenne den Sicherheitsbaustein sauber und schreibe eine einfache Rebalancing-Regel auf.
Danach zählt vor allem Verhalten: regelmäßig investieren, Kosten niedrig halten, Steuergrundlagen kennen und nicht bei jeder Marktprognose umbauen. Genau dafür ist die Weltportfolio-Idee stark. Sie nimmt dir nicht jede Entscheidung ab, aber sie reduziert die Zahl der Entscheidungen auf die wenigen, die wirklich wichtig sind.
Teste deine eigene Kombination aus Startkapital, Sparrate, Laufzeit und Renditeannahme im ETF-Sparplan-Rechner. Wenn dein Plan nur bei optimistischen Annahmen funktioniert, ist er zu knapp. Wenn er auch mit vorsichtigen Annahmen robust aussieht, hast du eine solide Grundlage.
Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Alle Berechnungen und Beispiele sind hypothetischer Natur und basieren auf vereinfachten Annahmen. Vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Bitte konsultiere einen zugelassenen Finanz- oder Steuerberater für individuelle Entscheidungen.
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