ETF-Portfolio 2026 überprüfen: die jährliche Checkliste für Sparer
ETF-Portfolio 2026 überprüfen: Mit dieser Jahres-Checkliste prüfst du Sparrate, Kosten, Steuern, Risiko und Rebalancing ohne unnötige Aktion im Depot.

Ein gutes ETF-Portfolio braucht keine tägliche Pflege. Gerade deshalb lohnt sich einmal pro Jahr ein sauberer Check. Nicht, um hektisch Fonds zu tauschen oder dem nächsten Hype hinterherzulaufen, sondern um zu prüfen, ob dein Depot noch zu deinem Leben passt: Sparrate, Risiko, Kosten, Steuern, Broker, Rebalancing und Ziele.
2026 ist dafür ein guter Zeitpunkt. Viele Depots sind in den vergangenen Jahren gewachsen, manche Portfolios haben durch US-Tech-Gewichtung, Themen-ETFs oder hohe Einzelpositionen eine andere Risikostruktur als geplant. Gleichzeitig gelten für deutsche Anleger weiterhin wichtige Steuerwerte: Der Sparerpauschbetrag liegt bei 1.000 € pro Person, die Kapitalertragsteuer inklusive Solidaritätszuschlag bei 26,375 %, Aktien-ETFs profitieren grundsätzlich von 30 % Teilfreistellung, und der Basiszins für die Vorabpauschale 2026 beträgt 3,20 %. Diese Werte ändern nicht deine langfristige Strategie, aber sie gehören in eine gute Jahresprüfung.
Die wichtigste Regel: Du prüfst dein Portfolio, bevor du handelst. Wenn alles sauber ist, ist Nichtstun oft die beste Entscheidung. Wenn etwas nicht mehr passt, änderst du gezielt eine Stellschraube. Diese Checkliste führt dich Schritt für Schritt durch den Jahrescheck.
Der Jahrescheck in 20 Minuten: was du wirklich brauchst
Du brauchst keine Profi-Software. Öffne dein Depot, notiere die aktuellen Werte und beantworte nüchtern fünf Fragen: Was ist mein Ziel? Welche ETF-Anteile habe ich? Wie hoch sind Kosten und Steuern? Passt die Sparrate noch? Muss ich wirklich rebalancen?
Am einfachsten ist eine kleine Tabelle mit diesen Spalten:
| Punkt | Was du einträgst | Warum es wichtig ist |
|---|---|---|
| Ziel | Ruhestand, Eigenkapital, Kinderdepot, Vermögensaufbau | Ohne Ziel wirkt jede Schwankung gleich wichtig |
| Zeithorizont | 5, 10, 20 oder 30 Jahre | Je kürzer der Horizont, desto wichtiger ist Risikoabbau |
| Ziel-Allokation | zum Beispiel 80 % Aktien-ETF, 20 % Geldmarkt/Anleihen | Das ist dein Sollwert für Rebalancing |
| Ist-Allokation | aktueller Depotwert je Baustein | Zeigt, ob das Portfolio gedriftet ist |
| Sparrate | monatlicher Betrag und Dynamik | Bestimmt oft mehr als die perfekte ETF-Auswahl |
| Kosten | TER, Ausführungsentgelt, Depotgebühr | Kleine Prozente werden bei großen Beträgen sichtbar |
| Steuern | Freistellungsauftrag, Ausschüttungen, Vorabpauschale | Verhindert unnötige Steuerüberraschungen |
Wenn du nur einen ETF-Sparplan auf einen breiten Welt-ETF hast, dauert dieser Check vielleicht zehn Minuten. Wenn du mehrere Regionen-, Faktor- oder Themen-ETFs hältst, dauert er länger. Genau dann lohnt er sich aber besonders.
CTA: Wenn du nach dem Check wissen willst, ob deine aktuelle Sparrate noch zu deinem Ziel passt, rechne sie direkt im ETF-Sparplan-Rechner durch. Ändere erst den Monatsbetrag, dann Rendite und Zeitraum. So siehst du, welche Stellschraube wirklich wirkt.
1. Prüfe zuerst dein Ziel, nicht deinen ETF
Der größte Fehler beim Portfolio-Check ist, mit Produkten zu beginnen. Dann vergleichst du TERs, Renditen und Chartverläufe, bevor du weißt, welche Aufgabe dein Depot erfüllen soll. Beginne deshalb mit dem Ziel.
Frag dich:
- Wofür investiere ich dieses Geld?
- Wann brauche ich es frühestens?
- Wie viel Schwankung halte ich realistisch aus?
- Ist neues Einkommen, Elternzeit, Immobilienplanung oder Selbstständigkeit hinzugekommen?
- Muss ich Liquidität erhöhen, bevor ich die Sparrate weiter steigere?
Ein Portfolio für 25 Jahre Vermögensaufbau darf anders aussehen als ein Depot, aus dem du in fünf Jahren Geld entnehmen willst. Bei 25 Jahren kann ein hoher Aktienanteil plausibel sein, wenn du Schwankungen aushältst. Bei fünf Jahren solltest du kritischer prüfen, ob Geldmarkt, Tagesgeld oder kurze Anleihen als Sicherheitsbaustein sinnvoller sind.
Wichtig: Der Jahrescheck ist kein Performance-Ranking. Ein ETF, der im letzten Jahr schlecht lief, ist nicht automatisch falsch. Ein ETF, der stark gestiegen ist, ist nicht automatisch richtig. Entscheidend ist, ob der Baustein noch zur Aufgabe im Portfolio passt.
2. Vergleiche Soll-Allokation und Ist-Allokation
Lege eine Ziel-Allokation fest, zum Beispiel 100 % globaler Aktien-ETF, 80/20 aus Aktien und Geldmarkt, oder 70/30 aus Aktien und defensivem Baustein. Danach vergleichst du sie mit deinem Depotwert.
Ein Beispiel: Du wolltest 70 % Aktien-ETF und 30 % defensiven Baustein halten. Zu Jahresbeginn lagen 70.000 € im Aktien-ETF und 30.000 € im defensiven Teil. Wenn der Aktien-ETF um 15 % steigt und der defensive Teil um 2 %, steht dein Portfolio danach bei rund 111.100 €. Der Aktienanteil liegt dann bei etwa 72,5 % statt 70 %. Um exakt auf 70/30 zurückzukommen, müsstest du rund 2.730 € aus dem Aktienanteil in den defensiven Baustein verschieben.
Das heißt nicht automatisch, dass du sofort verkaufen musst. Kleine Abweichungen sind normal. Viele Sparer arbeiten mit Toleranzbändern, etwa plus oder minus fünf Prozentpunkte. Bei 70/30 wäre also alles zwischen 65/35 und 75/25 noch akzeptabel. Erst außerhalb dieses Bandes wird Rebalancing wirklich relevant.
Rebalancing ohne Steuerstress
Wenn du noch in der Ansparphase bist, ist Rebalancing über neue Sparraten oft eleganter als Verkäufe. Statt Aktien-ETF zu verkaufen, leitest du neue Sparraten vorübergehend stärker in den untergewichteten Baustein. Das spart Transaktionskosten und vermeidet unnötige realisierte Gewinne.
Verkäufe können trotzdem sinnvoll sein, wenn das Portfolio deutlich aus dem Ruder gelaufen ist oder dein Risiko nicht mehr zu deinem Ziel passt. Aber auch dann solltest du vorher prüfen, ob steuerpflichtige Gewinne entstehen und ob dein Freistellungsauftrag noch frei ist.
3. Kontrolliere die Kosten, aber jage nicht jedem Basispunkt nach
Kosten sind wichtig, aber sie sind nicht der einzige Maßstab. Bei breiten Welt-ETFs ist eine TER unter 0,25 % ein sinnvoller Orientierungswert. Ein ETF mit 0,20 % TER kostet rechnerisch rund 100 € pro Jahr auf 50.000 € Anlagevolumen. Ein ETF mit 0,50 % TER kostet auf 100.000 € rund 500 € pro Jahr. Das sieht klein aus, wird über Jahrzehnte aber spürbar.
Trotzdem solltest du nicht wegen 0,03 Prozentpunkten hektisch wechseln. Ein Verkauf kann Steuern auslösen, ein neuer ETF kann anders ausschütten, ein Fondswechsel kann Spreads und Ausführungsentgelte kosten. Prüfe deshalb immer die Gesamtsituation:
- Ist der ETF breit gestreut?
- Ist das Fondsvolumen ausreichend groß?
- Passt die Ertragsverwendung, also thesaurierend oder ausschüttend?
- Ist der ETF bei deinem Broker sparplanfähig?
- Sind die laufenden Kosten dauerhaft niedrig?
- Gibt es vermeidbare Ausführungsgebühren?
Auch Brokerkosten gehören in den Check. Manche Broker bieten ETF-Sparpläne kostenlos oder sehr günstig an. Klassische Banken verlangen teilweise 0,2 % bis 2,5 % der Sparrate pro Ausführung. Bei 200 € monatlicher Sparrate und 1,5 % Ausführungsentgelt wären das 36 € pro Jahr. Das wirkt nicht dramatisch, ist aber Geld, das nicht investiert wird.
4. Prüfe, ob deine Sparrate noch realistisch ist
Die Sparrate ist oft wichtiger als die perfekte ETF-Auswahl. Wenn dein Einkommen gestiegen ist, kannst du die Sparrate vielleicht erhöhen. Wenn deine Ausgaben gestiegen sind, ist eine zu hohe Sparrate gefährlich, weil du dann bei der nächsten unerwarteten Rechnung verkaufen musst.
Nutze den Jahrescheck deshalb für drei Szenarien:
| Szenario | Frage | Konsequenz |
|---|---|---|
| Basis | Kann ich die aktuelle Sparrate sicher halten? | Sparplan unverändert lassen |
| Plus | Kann ich 25 €, 50 € oder 100 € mehr investieren? | Sparrate erhöhen oder dynamisieren |
| Sicherheit | Brauche ich mehr Liquidität? | Sparrate senken, bis der Notgroschen passt |
Bei langfristigen ETF-Sparplänen wirken kleine Erhöhungen stark. 200 € monatlich über 30 Jahre bei 8 % historisch angenommener Jahresrendite ergeben mit monatlichem Compounding nachschüssig rund 282.000 € Endkapital. Eingezahlt wären 72.000 €. Das ist kein Versprechen, sondern ein Rechenbeispiel. Es zeigt aber, warum Regelmäßigkeit wichtiger ist als der perfekte Einstiegstag.
Wenn du mehrere Ziele hast, trenne sie gedanklich. Der ETF-Sparplan für die Altersvorsorge sollte nicht die Rücklage für die neue Küche ersetzen. Kurzfristiges Geld gehört nicht in einen Aktien-ETF, nur weil die langfristige Rendite historisch attraktiv war.
CTA: Spiele im Sparplan-Rechner deine aktuelle Sparrate gegen ein Plus-Szenario durch. Vergleiche nicht nur das Endkapital, sondern auch die eingezahlten Beträge. So erkennst du, ob die Erhöhung realistisch und sinnvoll ist.
5. Überprüfe Steuerpunkte: Freistellungsauftrag, Vorabpauschale und Teilfreistellung
Steuern sind kein Grund, eine gute Strategie zu verwerfen. Sie sind aber ein Grund, sauber zu organisieren.
Für deutsche Privatanleger sind 2026 besonders diese Werte relevant:
- Sparerpauschbetrag: 1.000 € pro Person.
- Kapitalertragsteuer: 25 % plus 5,5 % Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 %.
- Kirchensteuer: je nach Bundesland 8 % oder 9 % auf die Kapitalertragsteuer, effektiv etwa 27,82 % oder 27,99 %.
- Teilfreistellung bei Aktien-ETFs: 30 % der Erträge bleiben steuerfrei. Daraus ergibt sich ein effektiver Steuersatz von 18,4625 % auf begünstigte Aktien-ETF-Erträge, solange keine Kirchensteuer berücksichtigt wird.
- Basiszins 2026 für die Vorabpauschale: 3,20 %.
Der praktische Check ist einfach: Ist dein Freistellungsauftrag richtig verteilt? Wenn du mehrere Banken nutzt, kann ein Teilbetrag bei einem kaum genutzten Konto liegen, während beim Hauptdepot bereits Steuern abgeführt werden. Dann ist nicht die Steuer falsch, sondern die Verteilung unpraktisch.
Beispiel Vorabpauschale im Jahrescheck
Angenommen, dein thesaurierender Aktien-ETF hatte zu Jahresbeginn einen Wert von 100.000 € und im Jahr 2026 genügend Wertzuwachs. Der Basisertrag nach der vereinfachten Formel beträgt 100.000 € × 0,70 × 3,20 % = 2.240 €. Bei einem Aktien-ETF bleiben durch die 30 % Teilfreistellung 70 % steuerlich relevant, also 1.568 €. Ohne freien Sparerpauschbetrag ergibt sich darauf bei 26,375 % Kapitalertragsteuer inklusive Solidaritätszuschlag eine Steuer von rund 414 €.
In der Praxis können Ausschüttungen, unterjährige Käufe, tatsächlicher Wertzuwachs und dein Freistellungsauftrag den Betrag verändern. Genau deshalb gehört die Vorabpauschale in den Jahrescheck. Du musst sie nicht täglich optimieren, aber dein Verrechnungskonto sollte im Januar des Folgejahres nicht leer sein.
Mehr Details dazu findest du im Artikel zur Vorabpauschale 2026.
6. Kontrolliere Produktdaten: ISIN statt Bauchgefühl
Viele Anleger merken erst beim Depotwechsel oder Steuercheck, dass sie ihre ETFs nur über Kürzel, Namen oder WKNs kennen. Für einen sauberen Jahrescheck solltest du die ISIN notieren. Sie ist eindeutiger als ein Marketingname.
Beispiele aus typischen Weltportfolio-Bausteinen:
| Baustein | Beispiel | ISIN | Laufende Kosten laut Produktdaten |
|---|---|---|---|
| MSCI World thesaurierend | iShares Core MSCI World UCITS ETF | IE00B4L5Y983 | 0,20 % TER |
| MSCI World thesaurierend | Xtrackers MSCI World UCITS ETF | IE00BJ0KDQ92 | 0,12 % TER |
| MSCI ACWI | iShares MSCI ACWI UCITS ETF | IE00B6R52259 | 0,20 % TER |
| S&P 500 | iShares Core S&P 500 UCITS ETF | IE00B5BMR087 | 0,07 % TER |
Bei All-World-ETFs solltest du außerdem thesaurierende und ausschüttende Anteilsklassen nicht verwechseln. VWCE steht für den Vanguard FTSE All-World UCITS ETF als accumulating Anteilsklasse, VWRL für die distributing Variante. Beide bilden den FTSE All-World Index ab, der Large und Mid Caps aus Industrie- und Schwellenländern enthält, aber keine Small Caps.
Notiere dir nicht nur, welchen ETF du hältst, sondern warum. Wenn die Begründung lautet „breiter Kernbaustein für 20 Jahre“, ist das stabiler als „lief im letzten Jahr gut“.
7. Suche Überschneidungen und versteckte Wetten
Ein Portfolio kann auf dem Papier diversifiziert aussehen und trotzdem stark konzentriert sein. Beispiel: Du hältst einen MSCI World ETF, dazu einen Nasdaq-100 ETF, einen S&P 500 ETF und einen KI-ETF. Dann hast du vier Positionen, aber wahrscheinlich sehr viel USA, Technologie und große Plattformunternehmen.
Der Jahrescheck sollte deshalb nicht nur Positionen zählen, sondern Überschneidungen prüfen:
- Welche Länder dominieren?
- Welche Sektoren sind besonders hoch gewichtet?
- Sind die größten zehn Aktien mehrfach enthalten?
- Ergänzt ein Themen-ETF wirklich etwas oder verstärkt er nur vorhandene Risiken?
- Ist die Beimischung bewusst begrenzt, zum Beispiel auf 5 % oder 10 %?
Eine Beimischung ist nicht automatisch falsch. Problematisch wird sie, wenn sie unbemerkt zum Haupttreiber deines Risikos wird. Wenn ein Themen-ETF stark gefallen ist, frag nicht zuerst, ob du nachkaufen sollst. Frag, ob du ihn heute mit derselben Begründung neu kaufen würdest.
Wenn du unsicher bist, lies ergänzend den Artikel zum MSCI World Klumpenrisiko und prüfe, ob deine Zusatz-ETFs dieses Risiko erhöhen oder reduzieren.
8. Broker, Sicherheit und Dokumente prüfen
Ein Jahrescheck ist auch ein Organisationscheck. Du musst nicht aus Angst vor jedem Broker wechseln. Aber du solltest wissen, wo deine Unterlagen liegen und welche Sicherheitsmechanismen aktiv sind.
Prüfe einmal jährlich:
- Ist Zwei-Faktor-Authentifizierung aktiv?
- Stimmen E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Referenzkonto?
- Sind Jahressteuerbescheinigung und Erträgnisaufstellung abrufbar?
- Ist der Freistellungsauftrag korrekt hinterlegt?
- Gibt es Depotgebühren, die du übersehen hast?
- Sind Sparpläne noch aktiv und auf die richtigen ETFs eingestellt?
- Hast du für Erben oder Partner dokumentiert, wo das Depot liegt?
ETF-Anteile sind Sondervermögen. Das bedeutet, sie fallen grundsätzlich nicht in die Insolvenzmasse der Fondsgesellschaft. Trotzdem gibt es operative Risiken: Zugangsdaten, Brokerprozesse, Depotüberträge, Steuerunterlagen und Erreichbarkeit. Der passende Artikel dazu ist ETF-Depot absichern: was bei Broker-Pleite wirklich geschützt ist.
9. Entscheide bewusst: halten, anpassen oder vereinfachen
Am Ende des Checks solltest du jede Position in eine von drei Kategorien einteilen.
Halten: Der ETF erfüllt weiterhin seine Aufgabe. Kosten, Risiko, Sparplanfähigkeit und Steuerlogik passen. Du musst nichts ändern.
Anpassen: Die Position ist grundsätzlich sinnvoll, aber die Gewichtung passt nicht mehr. Hier helfen neue Sparraten, Rebalancing oder ein klarer Maximalanteil.
Vereinfachen: Die Position hat keine klare Aufgabe mehr, überschneidet sich stark mit anderen ETFs oder stammt aus einer alten Hype-Entscheidung. Dann prüfst du, ob ein Verkauf steuerlich sinnvoll ist oder ob du die Position einfach nicht weiter besparst.
Vereinfachung ist oft unterschätzt. Ein Depot aus einem globalen Kern-ETF plus einem klar begründeten Sicherheitsbaustein ist für viele Sparer besser als acht Positionen, die ständig Aufmerksamkeit verlangen. Komplexität fühlt sich professionell an, ist aber nicht automatisch besser.
Wann du nicht handeln solltest
Nicht handeln ist eine aktive Entscheidung, wenn sie begründet ist. Du solltest eher nicht handeln, wenn:
- die Abweichung von deiner Ziel-Allokation klein ist,
- ein Wechsel nur minimale Kostenvorteile bringt,
- du wegen kurzfristiger Nachrichten nervös bist,
- ein Verkauf hohe steuerpflichtige Gewinne auslöst,
- du keine klare bessere Zielstruktur definieren kannst.
Ein Jahrescheck ist kein Depotputz um jeden Preis. Er soll verhindern, dass du unbewusst vom Plan abweichst. Wenn der Plan noch passt, darf das Ergebnis schlicht lauten: weiterlaufen lassen.
10. Deine kompakte ETF-Jahrescheckliste
Arbeite diese Liste einmal pro Jahr durch, idealerweise immer im selben Monat:
- Ziel aktualisieren: Hat sich Zeithorizont, Einkommen, Familie oder Risikobereitschaft verändert?
- Depotwerte notieren: aktueller Wert je ETF und Sicherheitsbaustein.
- Soll-Ist-Vergleich machen: Ziel-Allokation gegen aktuelle Allokation halten.
- Rebalancing-Band prüfen: nur handeln, wenn die Abweichung relevant ist.
- Sparrate prüfen: halten, erhöhen, dynamisieren oder vorübergehend senken.
- Notgroschen prüfen: kurzfristiges Geld nicht in Aktien-ETFs parken.
- Kosten prüfen: TER, Brokergebühren, Sparplanausführung, Depotgebühr.
- Produktdaten prüfen: ISIN, Index, Ertragsverwendung, Fondsvolumen, Sparplanfähigkeit.
- Überschneidungen prüfen: Länder, Sektoren, Top-Positionen, Themenwetten.
- Steuerorganisation prüfen: Freistellungsauftrag, Ausschüttungen, Vorabpauschale, Verlustverrechnung.
- Dokumente sichern: Jahressteuerbescheinigung, Kaufabrechnungen, Depotübersicht.
- Entscheidung dokumentieren: halten, anpassen oder vereinfachen.
CTA: Wenn du nach Punkt 5 eine neue Sparrate festlegst, teste sie im ETF-Sparplan-Rechner. Ein Jahrescheck wird erst nützlich, wenn aus Zahlen eine konkrete Entscheidung wird.
Häufige Fragen zum ETF-Portfolio-Check 2026
Wie oft sollte ich mein ETF-Portfolio überprüfen?
Einmal pro Jahr reicht für die meisten langfristigen Anleger. Zusätzlich solltest du prüfen, wenn sich dein Leben stark verändert, zum Beispiel durch Jobwechsel, Elternzeit, Immobilienkauf, Selbstständigkeit, größere Erbschaft oder den Beginn einer Entnahmephase. Tägliche oder wöchentliche Depotkontrolle führt dagegen oft zu Aktionismus.
Muss ich jedes Jahr rebalancen?
Nein. Rebalancing ist nur sinnvoll, wenn die Abweichung von deiner Ziel-Allokation relevant ist. Kleine Schwankungen sind normal. In der Ansparphase kannst du oft über neue Sparraten rebalancen, statt Positionen zu verkaufen. Das ist steuerlich und psychologisch meist angenehmer.
Sollte ich 2026 wegen der Vorabpauschale thesaurierende ETFs meiden?
Nicht pauschal. Die Vorabpauschale ist ein Steuerpunkt, aber kein automatisches Argument gegen thesaurierende ETFs. Prüfe, ob dein Freistellungsauftrag reicht und ob genug Geld auf dem Verrechnungskonto liegt. Die Entscheidung zwischen thesaurierend und ausschüttend hängt auch von deinem Ziel, deiner Disziplin bei Wiederanlage und deiner Entnahmeplanung ab.
Welche Kosten sind bei Welt-ETFs akzeptabel?
Für breite Welt-ETFs ist eine TER unter 0,25 % ein guter Orientierungswert. Wichtiger als die letzte Nachkommastelle ist aber, dass der ETF breit, liquide, verständlich und langfristig passend ist. Ein Wechsel wegen minimaler TER-Differenzen lohnt sich nicht automatisch, wenn dadurch Steuern, Spreads oder neue Komplexität entstehen.
Was ist wichtiger: ETF-Auswahl oder Sparrate?
Wenn du bereits einen breit gestreuten, günstigen ETF nutzt, ist die Sparrate oft wichtiger als Feintuning zwischen ähnlichen Produkten. Ob du 200 €, 250 € oder 300 € pro Monat investierst, hat langfristig meist größere Wirkung als ein marginal anderer Index. Trotzdem sollte die ETF-Auswahl sauber bleiben: breit, kostengünstig, verständlich und passend zu deinem Risiko.
Soll ich Themen-ETFs aus meinem Portfolio werfen?
Nicht automatisch. Eine kleine, bewusst begrenzte Beimischung kann in Ordnung sein, wenn du Risiko, Überschneidung und Kosten verstehst. Kritisch wird es, wenn Themen-ETFs aus alten Hype-Entscheidungen stammen, keinen klaren Zweck mehr haben oder zusammen einen großen Teil deines Depots ausmachen.
Fazit: Der beste Portfolio-Check endet oft mit Ruhe
Ein ETF-Portfolio muss nicht spannend sein. Es muss zu deinem Ziel passen, breit gestreut sein, niedrige Kosten haben, steuerlich sauber organisiert sein und dir erlauben, auch in schlechten Marktphasen investiert zu bleiben. Genau das prüfst du mit dem Jahrescheck.
Die wichtigste Erkenntnis ist meistens nicht „kaufe diesen neuen ETF“, sondern „meine Struktur passt“ oder „ich muss nur eine Stellschraube ändern“. Vielleicht erhöhst du die Sparrate. Vielleicht verteilst du den Freistellungsauftrag neu. Vielleicht stoppst du einen Themen-Sparplan. Vielleicht dokumentierst du einfach, dass du nichts änderst.
Das ist kein langweiliges Ergebnis. Es ist langfristiges Investieren.
Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Alle Berechnungen und Beispiele sind hypothetischer Natur und basieren auf vereinfachten Annahmen. Vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Bitte konsultiere einen zugelassenen Finanz- oder Steuerberater für individuelle Entscheidungen.
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