ETF Sparplan für Anfänger: Der komplette Einstieg 2026
ETF Sparplan für Anfänger 2026: Wie du mit 50–500 €/Monat langfristig Vermögen aufbaust. ETF-Auswahl, Steuern, Depot-Wahl und Schritt-für-Schritt-Anleitung.

ETF Sparplan für Anfänger: Der komplette Einstieg 2026
Du hast von ETF-Sparplänen gehört und willst endlich verstehen, was das eigentlich ist — und ob das auch für dich funktioniert. Kurze Antwort: Ja. Lange Antwort: Dieser Artikel.
Kein Börsenwissen nötig. Kein Startkapital. Nur ein bisschen Geduld — und der Zinseszins macht den Rest.
Tipp: Willst du gleich wissen, was aus deinen monatlichen Sparraten wird? Berechne deine Rendite →
Was ist ein ETF-Sparplan?
Ein ETF-Sparplan ist eine automatisierte Geldanlage, bei der du monatlich einen festen Betrag in einen börsengehandelten Indexfonds (ETF) investierst. Statt einmal eine große Summe anzulegen, baust du dein Vermögen Schritt für Schritt auf.
Der Unterschied zum Sparbuch
Auf einem deutschen Sparkonto bekommst du aktuell vielleicht 1–2 % Zinsen pro Jahr. Bei einem ETF-Sparplan auf den MSCI World lag die durchschnittliche jährliche Rendite in den letzten 30 Jahren bei rund 7–8 % pro Jahr — nach Kosten, aber vor Steuern.
Was das in der Praxis bedeutet:
| Anlage | Monatliche Rate | Laufzeit | Endkapital (ca.) |
|---|---|---|---|
| Sparbuch (1,5 % p.a.) | 200 € | 30 Jahre | 90.000 € |
| ETF-Sparplan (7 % p.a.) | 200 € | 30 Jahre | 227.000 € |
Der Unterschied: 137.000 € — allein durch die höhere Rendite.
Warum funktioniert das?
Stichwort Zinseszins: Deine Gewinne werden wieder angelegt und erwirtschaften selbst wieder Gewinne. Je länger du dabei bleibst, desto stärker wirkt dieser Effekt. Deshalb gilt: Früh anfangen schlägt alles.
Ein konkretes Beispiel: - Max, 25 Jahre: Legt 10 Jahre lang 200 €/Monat an, dann nichts mehr → mit 65 Jahren ca. 252.000 € - Julia, 35 Jahre: Legt 30 Jahre lang 200 €/Monat an → mit 65 Jahren ca. 227.000 €
Max hat nur 24.000 € eingezahlt, Julia 72.000 € — und trotzdem hat Max am Ende mehr. Warum? Weil 10 Jahre früher starten mächtiger ist als dreimal so viel einzahlen.
Warum ETFs und nicht Einzelaktien oder aktive Fonds?
Das Problem mit Einzelaktien
Wenn du 1.000 € in eine einzige Aktie steckst und das Unternehmen pleite geht, ist das Geld weg. Mit einem ETF auf den MSCI World investierst du stattdessen in 1.500 Unternehmen gleichzeitig — wenn eines davon scheitert, macht das kaum einen Unterschied.
Das Problem mit aktiven Fonds
Aktive Fonds werden von Fondsmanagern verwaltet, die versuchen, den Markt zu schlagen. Das Problem: Die meisten schaffen es nicht — und berechnen trotzdem hohe Gebühren.
| Anlageform | Typische Jahreskosten (TER) | Markt schlagen? |
|---|---|---|
| ETF (passiv) | 0,07–0,22 % | Nein (bildet Index nach) |
| Aktiver Fonds | 1,50–2,50 % | Selten dauerhaft |
| Bankberater-Produkte | oft > 2,00 % | Sehr selten |
Ein aktiver Fonds mit 2 % Kosten muss jedes Jahr 2 % besser sein als der Markt, nur um gleichzuziehen. Studien zeigen: Über 10 Jahre schlagen rund 80–90 % der aktiven Fonds ihren Vergleichsindex nicht.
Die wichtigsten ETF-Begriffe erklärt
TER (Total Expense Ratio)
Die jährlichen Gesamtkosten eines ETFs — ausgedrückt in Prozent. Ein TER von 0,20 % bedeutet: Bei 10.000 € Depotguthaben zahlst du 20 € pro Jahr. Diese Kosten werden automatisch täglich aus dem Fondsvermögen entnommen — du siehst sie nie als separate Abbuchung.
Thesaurierend vs. Ausschüttend
- Thesaurierend: Dividenden und Zinsen werden automatisch wieder angelegt. Ideal für den Vermögensaufbau — maximaler Zinseszinseffekt.
- Ausschüttend: Du bekommst Dividenden regelmäßig aufs Konto. Gut wenn du passives Einkommen möchtest.
Empfehlung für Anfänger: Thesaurierend — mehr Automatismus, weniger Verwaltungsaufwand.
Physisch vs. Synthetisch (Replikation)
- Physisch: Der ETF kauft tatsächlich die Aktien im Index. Einfach, transparent.
- Synthetisch (Swap-basiert): Der ETF bildet den Index über Finanzkontrakte nach. Etwas komplizierter, manchmal steuerliche Vorteile.
Empfehlung: Für Einsteiger physisch replizierende ETFs — weniger Erklärungsbedarf.
ISIN
Die internationale Wertpapiernummer — wie eine ISBN für Bücher. Damit findest du jeden ETF eindeutig. Beispiel: IE00B4L5Y983 = iShares Core MSCI World ETF.
Welchen ETF wählen? Die drei Klassiker im Vergleich
Für Einsteiger gibt es drei Indizes, die sich bewährt haben:
| Index | Länder | Unternehmen | Schwellenländer | Beliebtester ETF | ISIN | TER |
|---|---|---|---|---|---|---|
| MSCI World | 23 Industrieländer | ~1.500 | ❌ | iShares Core MSCI World | IE00B4L5Y983 | 0,20 % |
| FTSE All-World | 49 Länder | ~4.000 | ✅ (~10 %) | Vanguard FTSE All-World | IE00BK5BQT80 | 0,22 % |
| MSCI ACWI | 47 Länder | ~2.900 | ✅ (~11 %) | iShares MSCI ACWI | IE00B6R52259 | 0,20 % |
Was nehme ich nun?
MSCI World: Der Klassiker. Fokus auf etablierte Märkte (USA ~65 %, Europa ~15 %, Japan ~6 %). Günstig, liquide, bewährt.
FTSE All-World: Breiter, inkl. Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien. Etwas mehr Streuung, kaum höhere Kosten. Ideal wenn du "wirklich alles" abdecken willst.
Beide sind richtig. Der Unterschied zwischen MSCI World und FTSE All-World ist langfristig minimal. Wichtiger ist: Überhaupt anfangen.
Hinweis: Keine dieser Empfehlungen ist eine Anlageberatung. Das ist nur ein Überblick über die bekanntesten Optionen.
Wie viel sollte ich investieren?
Die häufigste Frage — und die Antwort lautet: So viel wie möglich, aber so wenig wie nötig, um dauerhaft dabei zu bleiben.
Konkret: Investiere nur Geld, das du in den nächsten 10+ Jahren nicht brauchst. Nie auf Pump, nie den Notgroschen (3–6 Monatsgehälter) anfassen.
Was aus verschiedenen Sparraten wird
Annahmen: 7 % Rendite p.a., Teilfreistellung 30 %, Freistellungsauftrag ausgeschöpft
| Sparrate/Monat | Nach 10 Jahren | Nach 20 Jahren | Nach 30 Jahren |
|---|---|---|---|
| 50 € | ca. 8.500 € | ca. 24.500 € | ca. 56.500 € |
| 100 € | ca. 17.000 € | ca. 49.000 € | ca. 113.000 € |
| 200 € | ca. 34.000 € | ca. 98.000 € | ca. 227.000 € |
| 500 € | ca. 84.000 € | ca. 245.000 € | ca. 567.000 € |
Diese Zahlen sind Näherungswerte (vereinfachte Jahresrechnung, vor individueller Steuerberechnung). Für dein genaues Ergebnis mit Vorabpauschale und Freistellungsauftrag den Rechner nutzen. Für dein individuelles Ergebnis (mit korrekter Steuerberechnung, Vorabpauschale und Freistellungsauftrag): ETF Sparplan Rechner nutzen →
Die Sparrate erhöhen — wann und wie?
Viele starten mit 100 € und erhöhen jährlich um 10–20 €. Das nennt sich dynamischer Sparplan. Der Effekt ist erheblich: Wer jedes Jahr die Sparrate um 5 % erhöht, landet nach 30 Jahren mit über 30 % mehr Endkapital.
Steuern in Deutschland: Was du wissen musst
Abgeltungssteuer
Auf Gewinne aus ETF-Verkäufen fällt die Abgeltungssteuer an: 25 % + Solidaritätszuschlag = 26,375 % (ohne Kirchensteuer).
Teilfreistellung
Bei Aktien-ETFs (mind. 51 % Aktienanteil) sind 30 % der Gewinne steuerfrei. Das senkt den effektiven Steuersatz auf rund 18,46 %.
Freistellungsauftrag
Jeder hat einen steuerfreien Freibetrag von 1.000 € pro Jahr (Paare: 2.000 €). Richte beim Broker einen Freistellungsauftrag ein — sonst zahlst du unnötig Steuern.
Vorabpauschale
Eine jährliche Mini-Steuer auf thesaurierende ETFs, die dafür sorgt, dass du beim Verkauf weniger Steuern zahlst. Klingt kompliziert — ist aber gut gemeint. Die Details erklärt unser Artikel zur Vorabpauschale 2026.
Depot-Auswahl: Neobroker oder Direktbank?
Neobroker
Günstig, einfach, mobil. Sparplan oft ab 1 € möglich, viele ETFs kostenlos besparbar. Ideal für Einsteiger die hauptsächlich einen ETF-Sparplan laufen lassen wollen.
Direktbanken
Etwas mehr Funktionen und Anlageprodukte, oft höhere Sparplan-Mindestbeträge (25–50 €). Besser wenn du später auch Anleihen, Tages- oder Festgeld an einer Stelle haben möchtest.
Worauf du achten solltest: - Sparplan-Ausführungsgebühr (ideal: 0 € oder max. 0,2 % der Sparrate) - Anzahl kostenloser Sparplan-ETFs - Einlagensicherung (immer Pflicht in Deutschland: bis 100.000 € gesetzlich abgesichert) - App-Qualität (wenn du mobil verwalten willst)
Kein Rat zu konkreten Brokern hier — das hängt von deiner Situation ab. Eine unabhängige Übersicht findest du bei Verbraucherportalen wie Finanztip oder Stiftung Warentest.
In 5 Schritten zum ersten ETF-Sparplan
Schritt 1: Depot eröffnen
Online-Antrag ausfüllen (dauert 15–30 Min.), Identität per Video-Ident bestätigen. Depot-Eröffnung ist kostenlos.
Schritt 2: Freistellungsauftrag einrichten
Direkt nach der Depot-Eröffnung — nicht vergessen. 1.000 € für Singles, 2.000 € für Ehepaare. Erst wenn der ausgeschöpft ist, zahlst du Steuern auf Gewinne.
Schritt 3: ETF auswählen
MSCI World oder FTSE All-World — such nach ISIN im Suchfeld des Brokers. Thesaurierend bevorzugen.
Schritt 4: Sparplan einrichten
Monatliche Sparrate festlegen, Ausführungstag wählen (z.B. 1. des Monats), bestätigen. Fertig.
Schritt 5: Nicht täglich reinschauen
Das ist ernst gemeint. Kursschwankungen sind normal. Ein ETF-Sparplan ist kein Trading — er ist eine langfristige Strategie. Wer bei -20 % verkauft, realisiert Verluste. Wer hält, profitiert von der Erholung.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie sicher ist ein ETF-Sparplan?
ETFs gelten als Sondervermögen — sie sind vom Vermögen des Brokers/der Bank getrennt. Selbst wenn ein Broker pleite geht, gehören deine ETF-Anteile weiterhin dir. Das ist fundamentaler Unterschied zu Bankkonten (Einlagensicherung bis 100k €).
Ab wann lohnt sich ein ETF-Sparplan?
Ab sofort. Wirklich. Selbst 25 € pro Monat über 20 Jahre ergeben bei 7 % Rendite rund 12.000 € — aus 6.000 € eingezahltem Kapital. Je früher, desto besser — nicht wegen der Beträge, sondern wegen der Zeit.
Was passiert wenn der Markt einbricht?
Nichts Schlimmes — solange du nicht verkaufst. Bei einem Sparplan kaufst du beim Einbruch sogar günstiger ein (Cost-Averaging-Effekt). Historisch hat sich der MSCI World nach jedem Einbruch erholt und neue Höchststände erreicht.
Muss ich Steuern zahlen wenn ich nichts verkaufe?
Nur die Vorabpauschale — eine kleine jährliche Steuer auf Buchgewinne. Die wird direkt vom Verrechnungskonto des Brokers abgebucht. Mehr dazu im Vorabpauschale-Artikel.
Kann ich den Sparplan jederzeit pausieren oder ändern?
Ja. ETF-Sparpläne sind hochflexibel — Sparrate ändern, pausieren, oder ganz stoppen ist jederzeit möglich. Keine Vertragslaufzeit, keine Kündigungsfristen.
Wie viele ETFs brauche ich?
Einer reicht. Der MSCI World oder FTSE All-World deckt den Großteil der Weltwirtschaft ab. Mehr als zwei ETFs machen es nur komplizierter ohne wesentlich mehr Diversifikation.
Wann ist der beste Zeitpunkt zum Einsteigen?
Jetzt. Oder nächsten Monat. Versuche nicht, den "perfekten Einstiegszeitpunkt" zu finden — das funktioniert auch für Profis nicht zuverlässig. Ein monatlicher Sparplan mittelt automatisch über verschiedene Kursniveaus.
Fazit
Ein ETF-Sparplan ist kein Geheimtipp mehr — aber er ist immer noch die einfachste und bewährteste Methode, um langfristig Vermögen aufzubauen.
Was du heute tun kannst: 1. Depot eröffnen (kostenlos, 30 Minuten) 2. Freistellungsauftrag einrichten 3. ETF auswählen (MSCI World oder FTSE All-World) 4. Sparplan starten — auch 50 € ist ein Anfang
Bevor du loslegst: Berechne mit unserem Rechner was aus deiner Sparrate tatsächlich wird — mit echten Renditen, vollständiger Steuerberechnung und Vorabpauschale.
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