Anleihen-ETFs erklärt: Stabilität fürs Depot in unsicheren Zeiten
Was sind Anleihen-ETFs und warum stabilisieren sie Dein Depot? Alle Typen, Steuerregeln, Risiken und konkrete ETF-Empfehlungen für Dein Portfolio 2026.

Anleihen-ETFs erklärt: Stabilität fürs Depot in unsicheren Zeiten
Wenn die Börsen schwanken und Schlagzeilen von Rezessionsängsten, Zinswenden oder geopolitischen Krisen dominiert werden, stellt sich eine entscheidende Frage: Wie kannst Du Dein Depot widerstandsfähiger machen, ohne komplett auf Rendite zu verzichten? Die Antwort vieler erfahrener Anleger lautet: Anleihen-ETFs.
In diesem umfassenden Artikel erfährst Du alles, was Du über Anleihen-ETFs wissen musst — von den Grundlagen über verschiedene Typen bis hin zur konkreten Umsetzung in Deinem Portfolio. Dabei rechnen wir mit echten Zahlen und zeigen Dir, warum gerade jetzt ein guter Zeitpunkt sein kann, Anleihen als Beimischung zu betrachten.
Du möchtest wissen, wie sich Dein ETF-Sparplan mit verschiedenen Anleihen-Anteilen entwickelt? Nutze unseren kostenlosen ETF-Sparplan-Rechner und simuliere verschiedene Szenarien.
Was sind Anleihen-ETFs?
Anleihen (auch Bonds oder Rentenpapiere genannt) sind Schuldverschreibungen. Wenn Du eine Anleihe kaufst, leihst Du einem Staat oder Unternehmen Geld. Im Gegenzug erhältst Du regelmäßige Zinszahlungen (den sogenannten Kupon) und am Ende der Laufzeit Dein eingesetztes Kapital zurück.
Ein Anleihen-ETF bündelt Hunderte oder sogar Tausende solcher Anleihen in einem einzigen Wertpapier. Statt einzelne Anleihen zu kaufen — was oft Mindestanlagesummen von 1.000 € oder mehr erfordert — investierst Du über den ETF breit gestreut in den Anleihenmarkt. Das Prinzip kennst Du vielleicht bereits von Aktien-ETFs: breite Diversifikation, niedrige Kosten, einfacher Zugang über jeden Broker.
Wie funktionieren Anleihen-ETFs genau?
Der ETF bildet einen Anleihenindex nach — zum Beispiel den Bloomberg Euro Aggregate Bond Index oder den iBoxx EUR Liquid Sovereigns Diversified Index. Der Fondsmanager kauft die im Index enthaltenen Anleihen und schüttet die erhaltenen Zinsen entweder aus (ausschüttend) oder reinvestiert sie automatisch (thesaurierend).
Wichtiger Unterschied zu einzelnen Anleihen: Während eine einzelne Anleihe ein festes Fälligkeitsdatum hat, läuft ein Anleihen-ETF theoretisch endlos weiter. Auslaufende Anleihen werden laufend durch neue ersetzt. Das hat Konsequenzen: Du hast keinen festen Rückzahlungstermin, profitierst aber von einer konstanten Diversifikation und Liquidität.
Warum nicht einfach einzelne Anleihen kaufen?
Einzelne Anleihen haben einen klaren Vorteil: Du weißt genau, wann Du Dein Geld zurückbekommst und wie hoch die Zinsen sind. Allerdings sind die Mindestanlagesummen oft hoch, die Streuung ist begrenzt, und der Handel am Sekundärmarkt kann teuer sein. Für Privatanleger mit einem Sparplan ab wenigen Euro pro Monat sind Anleihen-ETFs daher die deutlich praktischere Lösung.
Welche Arten von Anleihen-ETFs gibt es?
Nicht jeder Anleihen-ETF ist gleich. Die Unterschiede sind erheblich — sowohl bei Rendite als auch beim Risiko. Hier die wichtigsten Kategorien:
Staatsanleihen-ETFs
Diese investieren in Schuldtitel von Staaten. Deutsche Bundesanleihen gelten als besonders sicher, weil Deutschland eine Top-Bonität (AAA) hat. Euroraum-Staatsanleihen bieten eine breitere Streuung über verschiedene Länder wie Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien — mit entsprechend unterschiedlichen Risikoprofilen.
Beispiel: Der iShares Core Euro Government Bond UCITS ETF (ISIN: IE00B4WXJJ64, TER: 0,07 %) investiert in Staatsanleihen aus dem Euroraum mit verschiedenen Laufzeiten und bietet damit eine breite Abdeckung des europäischen Anleihenmarkts.
Unternehmensanleihen-ETFs
Hier leihst Du Unternehmen Geld. Die Zinsen sind typischerweise höher als bei Staatsanleihen, weil das Ausfallrisiko größer ist. Man unterscheidet zwischen Investment-Grade-Anleihen (hohe Bonität, Rating BBB oder besser bei Standard & Poor's) und High-Yield-Anleihen (niedrigere Bonität, höhere Zinsen, deutlich höheres Ausfallrisiko).
Beispiel: Der iShares Core Euro Corporate Bond UCITS ETF (ISIN: IE00B3F81R35, TER: 0,20 %) investiert in Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating aus dem Euroraum. Mit über 3.000 gehaltenen Positionen bietet er eine hervorragende Streuung über verschiedene Branchen und Emittenten.
Globale Anleihen-ETFs
Diese streuen weltweit über Staats- und Unternehmensanleihen verschiedener Währungen und Regionen. Vorteil: maximale Diversifikation. Nachteil: Währungsrisiko, wenn Du in Euro denkst und rechnest. Es gibt allerdings auch währungsgesicherte Varianten (hedged), die dieses Risiko eliminieren — allerdings zu geringen Zusatzkosten.
Beispiel: Der Vanguard Global Aggregate Bond UCITS ETF EUR Hedged (ISIN: IE00BG47KH54, TER: 0,10 %) bietet globale Streuung über tausende Anleihen aus Industrie- und Schwellenländern, mit vollständiger Währungsabsicherung zum Euro.
Kurzläufer vs. Langläufer — ein entscheidender Unterschied
Die Laufzeit der enthaltenen Anleihen beeinflusst das Risikoprofil erheblich:
- Kurzläufer (1–3 Jahre): Geringe Kursschwankungen, niedrigere Rendite, minimales Zinsänderungsrisiko. Ideal als Tagesgeld-Alternative für mittelfristige Ziele.
- Mittlere Laufzeiten (3–7 Jahre): Ausgewogenes Verhältnis von Rendite und Risiko. Für die meisten Anleger der beste Kompromiss.
- Langläufer (10+ Jahre): Höhere Rendite, aber deutlich stärkere Kursschwankungen bei Zinsänderungen. Nur für erfahrene Anleger geeignet, die das Zinsrisiko bewusst eingehen wollen.
Faustregel: Je länger die durchschnittliche Laufzeit der enthaltenen Anleihen, desto empfindlicher reagiert der ETF auf Zinsänderungen. Bei steigenden Zinsen verlieren Langläufer spürbar stärker an Wert als Kurzläufer.
Warum Anleihen-ETFs ins Depot gehören
1. Stabilität in Krisenzeiten
Historisch haben Staatsanleihen hoher Bonität in Aktienkrisen oft an Wert gewonnen. Der Grund: In unsicheren Zeiten flüchten Anleger in sichere Häfen — die Nachfrage nach Staatsanleihen steigt, und damit auch die Kurse. Das ist der klassische „Flight to Safety"-Effekt.
Während der Finanzkrise 2008/2009 verlor der MSCI World rund 40 %. Europäische Staatsanleihen legten im selben Zeitraum um etwa 6–8 % zu. Diese negative Korrelation macht Anleihen zu einem wertvollen Puffer im Portfolio — sie federn Verluste ab, wenn Aktien unter Druck stehen.
2. Planbare und regelmäßige Erträge
Anders als bei Aktien-ETFs, wo Dividenden schwanken können, bieten Anleihen vertraglich fixierte Kuponzahlungen. Bei aktuellen Renditen von Euroraum-Staatsanleihen erhältst Du je nach Laufzeit zwischen 2,5 % und 3,5 % pro Jahr — nicht spektakulär, aber verlässlich und planbar. Gerade in der Entnahmephase oder für regelmäßige Einkünfte ist das ein echter Vorteil.
3. Messbare Risikoreduktion im Gesamtportfolio
Die entscheidende Kennzahl heißt Portfoliovolatilität. Ein reines Aktienportfolio (z. B. 100 % MSCI World) schwankt historisch um etwa 15–20 % pro Jahr. Durch Beimischung von Anleihen-ETFs kannst Du die Schwankungsbreite deutlich reduzieren:
| Portfolio-Mix | Ø Rendite (historisch) | Ø Volatilität | Max. Drawdown (ca.) |
|---|---|---|---|
| 100 % Aktien | ~7–8 % p.a. | ~15–20 % | -50 % |
| 80 % Aktien / 20 % Anleihen | ~6–7 % p.a. | ~12–15 % | -35 % |
| 60 % Aktien / 40 % Anleihen | ~5–6 % p.a. | ~8–12 % | -25 % |
| 40 % Aktien / 60 % Anleihen | ~4–5 % p.a. | ~6–8 % | -15 % |
Wichtig: Diese Renditeangaben sind historische Durchschnittswerte und keine Garantie für die Zukunft. Bei einem Sparplan mit 7 % p.a. über 25 Jahre erreichst Du aus €300 monatlich rund €243.000 (bei monatlichem Compounding, eingezahlt €90.000). Wie sich eine niedrigere Gesamtrendite durch Anleihen-Beimischung auswirkt, kannst Du mit unserem ETF-Sparplan-Rechner direkt nachrechnen.
4. Rebalancing-Vorteile nutzen
Wenn Du Dein Portfolio regelmäßig rebalancierst, profitierst Du von einem systematischen Effekt: In Aktienkrisen verkaufst Du Anleihen (die gestiegen sind) und kaufst günstig Aktien nach. In Boomphasen ist es umgekehrt. Dieses antizyklische Handeln kann die risikoadjustierte Gesamtrendite langfristig um 0,3–0,5 Prozentpunkte pro Jahr verbessern — ein unterschätzter Vorteil gemischter Portfolios.
Anleihen-ETFs und Zinsen: Was Du unbedingt wissen musst
Das Thema Zinsen ist bei Anleihen-ETFs zentral — und wird von Einsteigern oft missverstanden. Hier die wichtigsten Zusammenhänge klar erklärt:
Der inverse Zusammenhang zwischen Zinsen und Anleihenkursen
Wenn die Zinsen steigen, fallen die Kurse bestehender Anleihen. Warum? Weil neue Anleihen am Markt höhere Kupons bieten und die alten (mit niedrigeren Kupons) im Vergleich unattraktiver werden — ihr Kurs muss also fallen, damit die effektive Rendite der alten Anleihen mit dem neuen Zinsniveau mithalten kann. Umgekehrt steigen Anleihenkurse, wenn die Zinsen sinken.
Die Zinssituation 2026
Nach den kräftigen Zinserhöhungen der EZB 2022–2023 und den teilweisen Zinssenkungen 2024–2025 befinden wir uns aktuell auf einem moderaten Zinsniveau. Euroraum-Staatsanleihen bieten wieder ordentliche Renditen — nach Jahren der Nullzinspolitik eine willkommene Veränderung für Anleiheninvestoren.
Das bedeutet konkret: Wer jetzt in Anleihen-ETFs einsteigt, bekommt tatsächlich wieder eine nennenswerte Verzinsung. Gleichzeitig besteht die Chance auf Kursgewinne, sollten die Zinsen weiter sinken. Aber Achtung: Steigen die Zinsen erneut, sind vorübergehende Kursverluste möglich.
Duration — die wichtigste Kennzahl für Anleihen-ETF-Anleger
Die „Modified Duration" eines Anleihen-ETFs sagt Dir, wie stark der Kurs auf Zinsänderungen reagiert. Eine Duration von 7 bedeutet: Bei einem Zinsanstieg um 1 Prozentpunkt fällt der ETF-Kurs um etwa 7 %. Bei einem Zinsrückgang um 1 Prozentpunkt steigt er um etwa 7 %.
Für Einsteiger empfehlenswert: ETFs mit einer Duration von 3–5, die ein ausgewogenes Verhältnis von Rendite und Zinsrisiko bieten. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift zu Kurzläufern mit einer Duration unter 2.
Steuern bei Anleihen-ETFs — der steuerliche Nachteil
Anleihen-ETFs unterliegen denselben grundsätzlichen steuerlichen Regeln wie Aktien-ETFs — mit einem wichtigen und oft übersehenen Unterschied bei der Teilfreistellung.
Keine Teilfreistellung bei Anleihen-ETFs
- Aktien-ETFs (mindestens 51 % Aktienanteil): 30 % Teilfreistellung → effektiver Steuersatz ~18,46 %
- Anleihen-ETFs (Rentenindex, kein Aktienanteil): Keine Teilfreistellung → voller Steuersatz von 26,375 % (Kapitalertragsteuer 25 % + 5,5 % Solidaritätszuschlag)
Das ist ein realer steuerlicher Nachteil von Anleihen-ETFs. Auf die gleiche Brutto-Rendite zahlst Du bei Anleihen-ETFs effektiv rund 43 % mehr Steuern als bei Aktien-ETFs. Dieser Unterschied sollte bei der Portfolioplanung berücksichtigt werden — ist aber kein K.O.-Kriterium, denn die Stabilisierungswirkung im Portfolio hat ihren eigenen Wert.
Vorabpauschale 2026
Auch Anleihen-ETFs unterliegen der Vorabpauschale. Der Basiszins 2026 beträgt 3,20 %. Die Berechnung funktioniert wie folgt:
- Basisertrag = Fondswert zu Jahresanfang × 0,70 × 3,20 %
- Vorabpauschale = Minimum aus Basisertrag und tatsächlichem Wertzuwachs
- Steuerpflichtig = Maximum aus 0 und (Vorabpauschale − anteiliger Freistellungsauftrag)
Rechenbeispiel: Du hast einen thesaurierenden Anleihen-ETF im Wert von €10.000 zum Jahresanfang. Der Basisertrag beträgt: €10.000 × 0,70 × 0,032 = €224. Liegt der tatsächliche Wertzuwachs über €224, wird auf die €224 (abzüglich Deines Sparerpauschbetrags von 1.000 €) Kapitalertragsteuer von 26,375 % fällig — bei Anleihen-ETFs wohlgemerkt ohne Teilfreistellung.
Tipp: Nutze unbedingt Deinen Sparerpauschbetrag von 1.000 € (seit 2023 erhöht, nicht mehr 801 €) über einen Freistellungsauftrag bei Deinem Broker. Damit bleiben die ersten 1.000 € an Kapitalerträgen pro Jahr komplett steuerfrei — egal ob aus Aktien- oder Anleihen-ETFs. Mehr dazu in unserem Artikel zum Freistellungsauftrag.
Konkrete Anleihen-ETFs für Dein Portfolio
Hier eine Auswahl empfehlenswerter Anleihen-ETFs für verschiedene Strategien:
Für Einsteiger: Euro-Staatsanleihen
| ETF | ISIN | TER | Duration | Rendite (aktuell ca.) |
|---|---|---|---|---|
| iShares Core Euro Govt Bond | IE00B4WXJJ64 | 0,07 % | ~7 Jahre | ~2,8 % |
| Xtrackers II Eurozone Govt Bond | LU0290355717 | 0,15 % | ~7 Jahre | ~2,8 % |
Für mehr Rendite: Unternehmensanleihen
| ETF | ISIN | TER | Duration | Rendite (aktuell ca.) |
|---|---|---|---|---|
| iShares Core Euro Corp Bond | IE00B3F81R35 | 0,20 % | ~4,5 Jahre | ~3,5 % |
| Amundi Euro Corp Bond | LU1681040496 | 0,14 % | ~4,5 Jahre | ~3,5 % |
Für maximale Stabilität: Kurzläufer
| ETF | ISIN | TER | Duration | Rendite (aktuell ca.) |
|---|---|---|---|---|
| iShares Euro Govt Bond 1-3yr | IE00B14X4Q57 | 0,20 % | ~1,8 Jahre | ~2,5 % |
| Xtrackers II EUR Govt Bond 1-3 | LU0614173549 | 0,15 % | ~1,8 Jahre | ~2,5 % |
Für globale Diversifikation
| ETF | ISIN | TER | Duration | Rendite (aktuell ca.) |
|---|---|---|---|---|
| Vanguard Global Aggregate Bond EUR Hedged | IE00BG47KH54 | 0,10 % | ~6,5 Jahre | ~3,2 % |
Hinweis: Alle genannten Renditen sind Näherungswerte, die sich mit dem Zinsniveau laufend ändern. Die tatsächliche Rendite Deines Investments hängt vom Kaufzeitpunkt und der weiteren Zinsentwicklung ab. Historische Renditen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
So baust Du Anleihen-ETFs ins Portfolio ein
Die klassische Portfolio-Aufteilung
Die bekannteste Faustformel lautet „Alter in Prozent = Anleihenanteil". Ein 30-Jähriger hätte demnach 30 % Anleihen und 70 % Aktien. Diese Regel ist bewusst konservativ — viele Finanzexperten empfehlen heute für jüngere Anleger mit langem Anlagehorizont einen geringeren Anleihenanteil von nur 10–20 %.
Drei konkrete Portfolio-Beispiele
Offensiv (Alter 25–35, langer Anlagehorizont von 20+ Jahren): - 90 % Aktien-ETF (z. B. MSCI World, ISIN: IE00B4L5Y983, TER: 0,20 %) - 10 % Anleihen-ETF (z. B. iShares Core Euro Govt Bond, ISIN: IE00B4WXJJ64, TER: 0,07 %)
Ausgewogen (Alter 35–50, mittlerer Anlagehorizont): - 70 % Aktien-ETF (z. B. Vanguard FTSE All-World Acc (VWCE), ISIN: IE00BK5BQT80, TER: 0,22 %) - 20 % Euro-Staatsanleihen-ETF - 10 % Euro-Unternehmensanleihen-ETF
Defensiv (Alter 50+, kurzer bis mittlerer Anlagehorizont oder Entnahmephase): - 50 % Aktien-ETF - 30 % Euro-Staatsanleihen-ETF (bevorzugt Kurzläufer) - 20 % Euro-Unternehmensanleihen-ETF
Umsetzung im Sparplan
Anleihen-ETFs lassen sich bei den meisten Neobrokern (Trade Republic, Scalable Capital, ING) kostenlos als Sparplan besparen — genau wie Aktien-ETFs. Die Mindestsparrate liegt oft bei nur 1 € pro Monat. Du kannst also auch mit kleinen Beträgen starten und die Gewichtung über die Sparraten steuern.
Rechenbeispiel: Du sparst €300 monatlich, aufgeteilt auf 80 % Aktien und 20 % Anleihen: - €240/Monat in einen MSCI World ETF (angenommene Rendite 7 % p.a.) - €60/Monat in einen Euro-Staatsanleihen-ETF (angenommene Rendite 3 % p.a.)
Nach 25 Jahren ergibt das (bei monatlichem Compounding): - Aktienanteil: ca. €194.000 - Anleihenanteil: ca. €27.000 - Gesamt: ca. €221.000 (eingezahlt: €90.000)
Zum Vergleich: €300/Monat zu 100 % in Aktien mit 7 % p.a. über 25 Jahre ergeben rund €243.000 (eingezahlt €90.000). Der „Preis" für die geringere Schwankung liegt also bei rund €22.000 weniger Endkapital — ob sich das für Dich lohnt, hängt von Deinem persönlichen Risikoprofil und Deiner Fähigkeit ab, Crashs auszusitzen. Probiere verschiedene Szenarien mit unserem ETF-Sparplan-Rechner aus.
Risiken von Anleihen-ETFs — ehrlich betrachtet
Anleihen-ETFs sind kein Allheilmittel und kein risikoloses Investment. Diese Risiken solltest Du kennen und verstehen:
1. Zinsänderungsrisiko
Wie oben ausführlich erklärt: Steigende Zinsen bedeuten fallende Anleihenkurse. In den Jahren 2022–2023 haben Anleger das schmerzhaft erlebt — der Bloomberg Euro Aggregate Bond Index verlor zeitweise über 15 %. Wer kurzfristig auf sein Geld angewiesen ist, sollte Kurzläufer-ETFs mit geringer Duration bevorzugen.
2. Inflationsrisiko
Bei einer Inflation von 4 % und einer Anleihenrendite von 3 % verlierst Du real Kaufkraft. Anleihen bieten im Gegensatz zu Aktien keinen eingebauten Inflationsschutz, da die Kupons nominal fixiert sind. Es gibt allerdings inflationsindexierte Anleihen-ETFs (sogenannte Linker), die dieses Risiko abmildern — diese sind aber weniger liquide und haben höhere Kosten.
3. Kreditrisiko bei Unternehmensanleihen
Bei Unternehmensanleihen und Staatsanleihen schwächerer Bonität besteht das Risiko, dass der Emittent seine Schulden nicht vollständig zurückzahlen kann. Investment-Grade-ETFs minimieren dieses Risiko durch strenge Bonitätsanforderungen und breite Streuung, können es aber nicht vollständig ausschließen.
4. Kein fester Rückzahlungswert
Anders als bei einer einzelnen Anleihe, die Du bis zur Fälligkeit hältst und dann den Nennwert zurückbekommst, gibt es bei einem Anleihen-ETF keinen festen Rückzahlungstermin. Der Verkaufskurs hängt vom aktuellen Marktniveau ab und kann über oder unter Deinem Einstiegskurs liegen. Dieses Risiko lässt sich durch eine längere Haltedauer erheblich reduzieren.
FAQ: Häufige Fragen zu Anleihen-ETFs
Lohnen sich Anleihen-ETFs bei niedrigen Zinsen?
Auch bei niedrigen Zinsen erfüllen Anleihen-ETFs ihren Zweck als Stabilitätsanker. Ihre Hauptfunktion ist nicht maximale Rendite, sondern Risikoreduktion und negative Korrelation zu Aktien in Krisenzeiten. Aktuell (2026) bieten Euroraum-Anleihen wieder deutlich attraktivere Renditen als in der Nullzinsphase 2015–2021.
Was ist besser — Tagesgeld oder Anleihen-ETF?
Tagesgeld bietet feste Zinsen ohne Kursrisiko und eignet sich hervorragend für die Notfallreserve (3–6 Monatsgehälter). Anleihen-ETFs bieten potenziell höhere Renditen, schwanken aber im Kurs. Für langfristige Anlagen mit einem Horizont ab 3–5 Jahren haben Anleihen-ETFs historisch besser abgeschnitten als Tagesgeld. Beide Instrumente haben ihren Platz in einer soliden Finanzplanung.
Kann ich mit Anleihen-ETFs Geld verlieren?
Ja, das ist möglich. Wenn die Zinsen steigen, fällt der Kurs Deines Anleihen-ETFs. Bei kurzer Haltedauer kannst Du reale Verluste realisieren. Bei längerer Haltedauer werden Kursverluste typischerweise durch die laufenden Zinszahlungen mehr als ausgeglichen. Je kürzer die Duration des ETFs, desto geringer das Risiko vorübergehender Verluste.
Wie viel Prozent Anleihen sollte mein Portfolio haben?
Das hängt von Deinem Alter, Anlagehorizont und Deiner persönlichen Risikotoleranz ab. Als grobe Orientierung: 10–20 % für junge Anleger mit langem Horizont (20+ Jahre), 30–50 % für Anleger ab 50 oder mit mittlerem Horizont, und 50+ % in der Entnahmephase oder kurz davor.
Welchen Anleihen-ETF soll ich als Erstes kaufen?
Für die meisten Privatanleger ist ein breit gestreuter Euro-Staatsanleihen-ETF oder ein globaler Aggregate Bond ETF (mit EUR-Hedging) ein solider Startpunkt. Achte auf eine TER unter 0,25 %, ausreichende Fondsgröße (mindestens €500 Mio.) und einen bekannten Anbieter wie iShares, Vanguard oder Xtrackers.
Fazit: Anleihen-ETFs als Stabilitätsanker für Dein Depot
Anleihen-ETFs sind kein glamouröses Investment — aber ein wirkungsvolles Instrument für jedes gut strukturierte Portfolio. Sie reduzieren die Schwankungen Deines Depots, liefern planbare Erträge und wirken in Krisenzeiten als Puffer gegen Aktienverluste. Gerade in der aktuellen Zinslandschaft 2026 bieten sie wieder attraktive Renditen und verdienen einen festen Platz in vielen Portfolios.
Die Kernpunkte auf einen Blick:
- Anleihen-ETFs bündeln viele einzelne Anleihen in einem Produkt — breit gestreut und kostengünstig (TER oft unter 0,20 %)
- Sie reduzieren die Portfoliovolatilität spürbar und wirken als Stabilitätsanker in Krisenzeiten
- Der steuerliche Nachteil (keine Teilfreistellung, voller Satz von 26,375 %) ist real, wird aber durch die Stabilisierungswirkung im Portfolio oft mehr als wettgemacht
- Für Einsteiger empfehlen sich Euro-Staatsanleihen-ETFs mit mittlerer Duration (3–7 Jahre)
- Die optimale Beimischung hängt von Deinem Alter, Anlagehorizont und Risikoprofil ab — starte mit 10–20 % und passe an
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Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Alle Berechnungen und Beispiele sind hypothetischer Natur und basieren auf vereinfachten Annahmen. Vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Bitte konsultiere einen zugelassenen Finanz- oder Steuerberater für individuelle Entscheidungen.
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